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Dienstag, Mai 28, 2024

Krankenhaus Grafenau: Schlaganfall-Patienten in besten Händen

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‚Stroke Unit‘ ab sofort im Einsatz

Grafenau. Nach neuesten Berechnungen ereignen sich in Deutschland knapp 270.000 Schlaganfälle, davon sind etwa 200.000 erstmalige Schlaganfälle. Etwa 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis dauerhaft behindert. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Alarmierende Zahlen; denn das macht den Schlaganfall nach Krebs- und Herzerkrankungen zur dritthäufigsten Todesursache in Deutschland.

Mit der Behandlung auf Schlaganfall-Spezialeinrichtungen, sogenannte Stroke Units, und der systemischen Lysetharpie („Gerinnselauflösung“) stehen zwei effiziente Therapien zur Verfügung, die die Folgen des Schlaganfalls – insbesondere die dauerhafte Behinderung – wirksam reduzieren.
Stroke Units findet man nahezu ausschließlich in Ballungsräumen, und so haben in Deutschland weniger als 60 Prozent der Schlaganfall-Patienten Zugang zu diesen Behandlungsformen. Angesichts der demographisch bedingten weiteren Zunahme der Schlaganfallhäufigkeit ist eine Verbesserung der Versorgungssituation zur Verminderung von Folgeschäden und gesundheitsökonomischen Belastungen dringend erforderlich.

Ziel des Telemedizinischen Pilotprojekts zur integrierten Schlaganfallversorgung (TEMPiS) war es daher, als offizielles Projekt der bayerischen Krankenhausplanung eine moderne Versorgung auch in der (ländlichen!) Region durch Kooperation zwischen Kliniken und durch eine High-Tech-Vernetzung sicher zu stellen.
Im TEMPiS-Netzwerk werden jedes Jahr über 6.000 Schlaganfall-Patienten in regionalen Kliniken in Süd-Ost-Bayern behandelt. Dabei erhalten die behandelnden Ärzte vor Ort kompetente Unterstützung durch Spezialisten aus den Schlaganfallzentren in München-Harlaching und der Universitätsklinik in Regensburg – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Neben einer telemedizinischen Beratung (dabei wird u.a. der Schlaganfall-Experte noch in der Notaufnahme sofort über eine Videokonferenz zugeschaltet) beinhaltet TEMPiS auch den Aufbau von spezialisierten Schlaganfall-Stationen (Stroke Units) in den regionalen Kliniken sowie eine kontinuierliche Fortbildung und Qualitätssicherung in diesem Bereich.

20 Kliniken haben sich dazu entschieden, dem TEMPiS-Netzwerk beizutreten, darunter auch das Krankenhaus Grafenau. Seit Anfang Juli ist nun auch die neu aufgebaute Stroke Unit im Einsatz. Dies ermöglicht es jetzt Dr. Schwab (Facharzt für Neurologie) und seinem Team, Schlaganfall-Patienten aus dem Landkreis Freyung-Grafenau vollumfänglich, individuell und vor allem zeitnah behandeln zu können, denn auch bei der Diagnose ‚Schlaganfall’ spielt die richtige Diagnosestellung, der schnelle Transport ins Krankenhaus sowie eine Rund-Um-Versorgung die wesentlichsten Rollen.

Am 5. Juli fand im Krankenhaus Grafenau die Einführungsveranstaltung zu TEMPiS statt. Netzwerkkoordinator Dr. med. Gordian Hubert und Dr. med. Yvonne Schombacher (Konsilärztin) des Städtischen Krankenhaus München-Harlaching informierten über die Entstehung, den Aufbau sowie über die Struktur des TEMPiS-Netzwerks. Auch die stetige Fortbildung, der diesem Netzwerk angeschlossenen Kliniken respektive Ärzte und Pflegepersonal, oder die Qualitätssicherung stellt TEMPiS in regelmäßigen Abständen mit Besuchen vor Ort, Workshops und Weiterbildungsmaßnahmen sicher.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken Am Goldenen Steig gGmbH Sebastian Gruber. FRG-Kliniken-Geschäftsführer Helmut Denk sprach wohl im Namen aller Beteiligten dieses Projekts, das nun Vollendung fand: Ein weiterer und großer Schritt für die Sicherstellung der Grundversorgung im Landkreis und auch für das gesamte Spektrum der medizinischen Betreuung im Kliniken-Verbund in Freyung, Grafenau und Waldkirchen. Ebenso zeigte sich Denk stolz, in welcher Zeitspanne (erste Projekte-Gespräche fanden im Jahr 2015 statt) das alles geplant und schlussendlich auch durchgeführt wurde, zusammen mit dem Netzwerk TEMPiS – sein Dank galt allen Beteiligten und Mitarbeitern der FRG-Kliniken, die das alles ermöglicht haben.

INFO: Schlaganfall
Beim Schlaganfall handelt es sich nicht um eine einheitliche Erkrankung. „Schlaganfall“ ist ein Oberbegriff, auch Apoplex oder Hirninsult genannt. Der Oberbegriff „Schlaganfall“ wird vielmehr für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen verwendet, die verschiedene Ursachen und damit auch unterschiedliche Therapien erfordern.

(Bild: Netzwerkkoordinator Dr. med. Gordian Hubert informierte ausführlich über TEMPiS – Foto: FRG-Kliniken)

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