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Mittwoch, April 24, 2024

Im Zeichen der Rose: Vielfalt bewundern und bestaunen

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Rosenfreunde Schloss Fürsteneck und Freundeskreis Niederbayern in der Deutschen Rosengesellschaft e.V. gestalten Bayerische Landesgartenschau 2023 in Freyung mit – Einblicke beim Baustellenfest am 11. September 2022

Fürsteneck / Freyung. Mit dem „Paradiesgarten“ haben die Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis Freyung-Grafenau 2007 einen der Publikumsmagneten bei „Natur in der Stadt“ in Waldkirchen geschaffen. Josef Kern war damals Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenkultur und Landespflege Freyung-Grafenau. Seit dieser Zeit schwärmen Josef Kern und seine Ehefrau Therese von der Faszination Gartenschau. Die letzten Jahre haben sie die Liebe zu Rosen entdeckt und die Rosenfreunde Schloss Fürsteneck ins Leben gerufen. Als Freyung den Zuschlag für die Ausrichtung der Bayerischen Landesgartenschau 2023 bekommen hat, war für das Ehepaar Kern klar: Da machen wir mit. Mit den Rosenfreunden Schloss Fürsteneck werden sie die Rose als Königin der Blumen nicht nur ins rechte Licht rücken, sondern auch die Besucherinnen und Besuchern an ihrem Wissen über und um den Rosenkult teilhaben lassen. Selbstverständlich sind die Rosenfreunde auch beim Baustellenfest der Landesgartenschau am 11. September mit dabei. Sie informieren über ihren Ausstellungsbeitrag im nächsten Jahr und basteln Papierblumen.

„Unser Garten ist ein ‚Multifunktionsgarten‘. Er gibt uns Erholung, schärft die Sinne, lädt ein zu Spiel und Spaß, braucht aber auch ein wenig Pflege. Unser Garten ist für alle da: Für die Kleinen und die Großen, für die Fleißigen und die Faulen, für die Genießer, Naturliebhaber und natürlich für die Rosenfreunde.“ So beschreiben Therese und Josef Kern bescheiden ihren Garten in Anzerreut in der Gemeinde Fürsteneck. Mit „wenig Pflege“ untertreiben die beiden etwas: 200 verschiedene Rosenarten zieren den Garten, und mit „ein wenig Pflege“ ist es da nicht getan. Rosen sind das große gärtnerische Thema beim Ehepaar Kern.

Jahrzehnte hat Josef Kern als Vorsitzender des Gartenbauvereins Fürsteneck die Garten- und Landschaftskultur geprägt. Unvergessen ist das Rosen- und Lichterfest zum 25-jährigen Bestehen des Vereins im Schloss Fürsteneck im Jahre 2010 – das erste Rosenfest dieser Art zwischen Passau und Nationalpark Bayerischer Wald. Im Laufe der Jahre haben sich Therese und Josef Kern ein umfangreiches Fachwissen, nicht nur über Rosen, angeeignet. Die beiden bieten Vorträge und Kurse zum Thema Rosen an. Therese Kern zeigt auch gerne, wie man Rosen kulinarisch verwerten kann: Likör, Sirup, Gelee, kandierte Blätter kommen aus ihrer Küche. Sogar einen Pralinenkurs hat sie belegt, um zur Weihnachtszeit Pralinen mit einer Rosen-Ganache herzustellen.

Alles, was das Ehepaar Kern anpackt, hat Hand und Fuß. Mit Herzblut und voller Elan sind sie 100-prozentig bei der Sache. Die Ideen sprudeln nur so. Mehrere Rosenbeete planen die Rosenfreunde im Bereich Burgberg auf dem Gelände der Gartenschau auf dem Freyunger Geyersberg. Auf rund 30 Quadratmetern werden sie Rosen farblich abgestimmt, thematisch geordnet, umrahmt mit passenden Begleitpflanzen in Szene setzen. Zudem werden sie über die 132-tägige Laufzeit der Gartenschau ihr Wissen und Tipps an die Besucherinnen und Besuchern weitergeben.

Allein geht das natürlich nicht, unterstützt werden sie von ihren Rosenfreunden. Regelmäßig treffen sich diese beim Rosenstammtisch im Schloss Fürsteneck, initiiert von Josef Kern. Aus ganz Niederbayern kommen die Rosenfreunde und tragen geballtes Rosenwissen zusammen. Roswitha Ilg (Fürsteneck), Claudia Hacker (Deggendorf), Hilde Alzinger (Ortenburg), Barbara Lankl (Fürsteneck) und auch der Fürstenecker Gartenbauverein packen bei der Landesgartenschau mit an. Die Beteiligung an der Gartenschau im nächsten Jahr war für Josef Kern auch der Anstoß, einen Freundeskreis Niederbayern in der Deutschen Rosengesellschaft e.V. zu gründen. Eine Absicherung als gemeinnütziger Verein war für ihn wichtig. Außerdem greift die Gesellschaft den Rosenfreunden finanziell unter die Arme und stellt für die Besucherinnen und Besucher der Gartenschau verschiedene Ratgeber zur Verfügung.

Mehr als 100 Beet- und Edelrosen, einige Hochstämme, Strauch- und Kletterrosen in vielen verschiedenen Sorten werden auf dem Gelände der Gartenschau ausgepflanzt – auf 800 Metern Höhe. „Da wir in Fürsteneck auf ca. 430 Metern liegen, können wir kaum eigene Erfahrungen zu Rosen in Höhenlagen sammeln“, schildert Josef Kern. Er steht daher in Kontakt mit Rosenfreunden in Nöggenschwiel und dem Rosenfreundeskreis Schwarzwald in Freudenstadt. Sie haben Erfahrungen mit Rosen in geographischen Höhenlagen. In Freudenstadt – liegt auf 732 Metern – wurde der höchstgelegene Rosenweg Deutschlands angelegt und auch die Nöggenschwielerhaben sich für den Schwarzwald-Rosen-Sortimentsgarten intensiv mit der Frosthärte verschiedener Rosensorten beschäftigt. „Aber vielleicht gibt es ja auch Rosenliebhaber aus dem Bayerischen Wald, die uns ihre Erfahrungen schildern und sich mit uns bei der Gartenschau beteiligen möchten“, bittet Kern.

Nichts dem Zufall überlassen, möchte Josef Kern. Von jeder Rosensorte, die nächstes Jahr auf der Gartenschau präsentiert wird, hat er fünf Stück geordert. Kordes-Rosen, der Rosenhof Schultheis und Rosen Tantau haben ihm die Rosenstöcke unentgeltlich bzw. kostengünstig geliefert, und auch von Baumschulen vor Ort kommt Unterstützung. Damit die Tiefwurzler nächstes Jahr kräftig ihre volle Pracht entfalten können, haben Therese und Josef Kern die Rosen auf einem Feld in ihrem Gemeindegebiet ausgepflanzt. Als Selbstversorger bestellen sie ein Feld und ernten ihre Kartoffeln, Kraut, Tomaten und Paprika. Und seit einiger Zeit gesellen sich verschiedene Rosen dazu, die in großen Töpfen eingesetzt in der Erde versenkt sind und im Herbst auf das Gelände der Gartenschau umgepflanzt werden. Und sollte der eine oder andere Rosenstock mit dem Geyersberg nicht klarkommen, dann hat dafür Kern auch einen Plan B vorbereitet: „Im Grenzgebiet zu Oberösterreich und Tschechien und unter sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen pflegen wir unsere Rosen. Pro Sorte gehen drei auf die Gartenschau und zwei lasse ich als Reserve auf meinem Acker eingepflanzt.“

Wer sich einen Eindruck vom Ideenreichtum von Josef Kern machen möchte, kann das Gewerbefeld „Am Atzldorfer Berg“ in Fürsteneck besuchen. Hier hat der Ehrenvorsitzende des Gartenbauvereins Fürsteneck eine Rosen- und Wildobstsammlung rund um die Gewerbeparzellen angelegt. Die Rosenquartiere wurden nach Himmelsrichtungen eingeteilt. Rosenarten und -sorten sind nach Herkunft zusammengefasst. So sind die historischen Rosen, die von den Römern und Kreuzfahrern nach Europa kamen, sowie Obst- und Beerenobstsorten im Süden angesiedelt, die amerikanischen Wildrosen im Westen, die europäischen und asiatischen Wildrosen im Osten. Im Norden stehen großkronige Bäume. Die Anpflanzungen sollen bis Anfang nächsten Jahres beschildert werden und auf die Bayerische Landesgartenschau 2023 in Freyung verweisen.

Ohne das Verständnis seiner Frau, die auch seine Gartenleidenschaft teilt, hätte sich Josef Kern nicht die letzten Jahrzehnte intensiv mit Garten- und Landschaftspflege beschäftigen können. Der Bezirksverband für Gartenkultur und Landespflege Niederbayern hat Josef Kern, dessen stellvertretender Vorsitzender er acht Jahre lang war, mit der Johann-Evangelist-Fürst Medaille ausgezeichnet. Das Lebenswerk dieses großen niederbayerischen Förderers der Landwirtschaft, der Gartenkultur, der Landesverschönerung und des Obstanbaus möchte Kern auch bei der Landesgartenschau in den Mittelpunkt rücken. Der Gartenpionier war 1823 der Begründer der Gartenbaugesellschaft. Schon 1827 bot Fürst ca. 1500 verschiedene Obstsorten zum Verkauf an, die er schon damals in das europäische Ausland versendete. 1841 war das Sortiment auf über 3000 verschiedene Sorten, darunter 1429 Apfel-, 841 Birnen-, 297 Kirschen- und 203 Rebensorten angewachsen. Hinzu kamen noch über 1400 verschiedene Gehölze und Sträucher und fast 600 verschiedene Rosensorten. 2008 wurde eine Rose gezüchtet, die auf den Namen Johann Evangelist Fürst getauft wurde.

Beim Schlendern durch den weitläufigen Garten der Kerns in Anzerreut knippst Therese Kern mal da mal dort eine verblühte Rose ab – ein „wenig Pflege“ beim Vorbeigehen. Sie benennt die einzelnen Pflanzen, verweist auf Eigenzüchtungen ihres Mannes. Der ergänzt, wie sich auch der Klimawandel auf die Rosen auswirkt. Er probiert aus, pflanzt um: „Kleine Pflänzchen muss man hegen und pflegen, und dann muss man sich überraschen lassen.“ Er freut sich, dass er auf der Landesgartenschau überraschen darf, die Rosengärten und das Programm dazu ein Besuchermagnet werden, er und seine vielen Helferinnen und Helfer noch einmal die Faszination einer Gartenschau hautnah miterleben dürfen.

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