Genussdorf in der Genussregion

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    Eppenschlag. Jeden Freitag ab 14 Uhr zieht der Duft von frischgebackenem Bauernbrot, rahmigen Sengzelten und würzigen Räucherfischen über den Dorfplatz von Eppenschlag. Es ist Bauernmarkt. Erst vor kurzem hat Bürgermeister Peter Schmid mit dem Unternehmer Rupert Kraft dieses Ereignis ins Leben gerufen, bei dem Direktvermarkter 99 Produkte aus der Region an verschiedenen Ständen anbieten. Er will die zweitkleinste Gemeinde im Landkreis Freyung-Grafenau zu einem Zentrum des Genusses in Niederbayern machen. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich begrüßte dies bei einem Besuch in Eppenschlag und sagte nach einem ausgiebigen Rundgang über den Markt: „Das Dorf zeigt hier exemplarisch genau das, was wir in der Genussregion in Niederbayern umsetzen wollen – dass es wert ist, heimische Produkte zu kaufen und zu genießen. Davon profitiert der Verbraucher, aber auch der Landwirt.“

    An den Ständen in Eppenschlag stehen – Corona-konform – jeden Freitag die Bürger an. Sie kommen aus dem ganzen Landkreis. Dass der neue Markt einen Besuch wert ist, hat sich wie ein Lauffeuer herum gesprochen. Honig und Wein, Holzdeko und Wurstwaren, Käse und Schnäpse, und das alles aus dem Umkreis. Das kommt an. Eppenschlags Bürgermeister Peter Schmid, seit 2020 im Amt, freut sich über das große Interesse der Bevölkerung. Er ist vom Fach: In seiner alten Heimat Baden-Württemberg war er Hotelier, führte zwölf Jahre den Landesverband des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) als Landesvorsitzender.

    Nun hat er im Landkreis Freyung-Grafenau eine Heimat gefunden. Dort kaufte er vor fünf Jahren einen Hof, auf dem er mit seiner Familie Feriengäste beheimatet. Er setzt sein Wissen auch in seiner Gemeinde um und wandelt so in den Fußstapfen seiner Vorgänger, die es schon 2012 schafften, Eppenschlag zum Genussort als Marke eintragen zu lassen. „Genau mein Thema“, sagt Peter Schmid.

    Das Thema Genuss verfolgt er konsequent weiter: Im neuen Gemeindehaus, in dem gerade die letzten Arbeiten getätigt werden, entsteht eine regionale Genuss-Akademie. Das frühere „Haus der Bäuerin“, in dem genäht, gewaschen und auch geschlatet wurde, beherbergt nun bald nicht nur einen Bürgersaal und Räume für einen Jugendtreff, sondern auch Platz für ganz besondere Seminare zum Thema Lebensmittel. „Hier sollen die Menschen zum Beispiel geschult werden, wie sie Fleisch richtig zerlegen. Wir müssen beim Fleischverbrauch umdeken – es gibt tolles Fleisch, das wenig genutzt wird, zum Beispiel aus der Schweineschulter oder der Keule. Dies wollen wir in Kursen vermitteln. Und es soll Seminare zum Thema Wein oder Bier geben“, stellt er in Aussicht – einfach alles rund um gesunde Ernährung.

    Und noch viel mehr ist in Eppenschlag geplant. So soll eine Genossenschaft einen Bauernmarkt im Inneren des Gasthaues „Beim Alten Bräu“ betreiben, mit dem dazugehörenden Dorfgasthaus. Und als zwei Pilotprojekte sollen ein Strohstall, bei dem die Schweine auf Stroh und mit mehr Platz gehalten werden, sowie, wenn es gelingt, eine Bio-Mutterkuhhaltung in der Gemeinde etabliert werden. „In der Politik wird viel geredet über Tierwohl und regionale Wertschöpfung aus der Landwirtschaft. Wir reden nicht so viel, wir setzen es um“, gibt Peter Schmid die Marschrichtung vor. „Die Menschen sollen nicht nur wegen der schönen Natur kommen, sondern wegen der Produkte.“

    Das kommt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sehr entgegen. Vor genau einem Jahr wurde die „Genussregion Niederbayern“ gestartet, eine Kooperation zwischen dem Bezirk Niederbayern und dem Amt für ländliche Entwicklung in Landau. Ziel ist es, das Bewusstsein der Verbraucher für regionale Produkte und Dienstleistungen zu stärken. „Wie das geht, zeigt Eppenschlag in beeindruckender Manier. Es ist großartig, was hier binnen kürzester Zeit umgesetzt wurde“, sagte Heinrich bei seinem Besuch. „Was hier entstanden ist, ist ein Musterbeispiel dafür, was wir mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Niederbayern umsetzen möchten.“ Laut dem Bezirkstagspräsidenten ist es wichtig, die Fremdwahrnehmung der Region zu fördern: „Wir müssen nach außen zeigen, was für tolle Erzeugnisse wir haben. Dies kommt auch den Landwirten zugute, die faire Preise für ihre Produkte erzielen und mehr Wertschätzung bekommen. Es fängt im Kleinen an.“

    Diese Initiative begrüßt auch Franz Schreyer. Der Straubinger Bezirksrat war beim Rundgang über den Bauernmarkt begeistert dabei und verkörperte zwei Standpunkte: Den der Politik, aber auch – als stellvertretender BBV-Kreisvorsitzender – den der Landwirte. Er wertete das Projekt ebenso wie Innernzells Bürgermeister Josef Kern als „den richtigen Weg“. Das freut Bürgermeister Peter Schmid: „Ich bin dankbar, dass ich einen weiteren wertvollen Partner in seinem Netzwerk dazu bekommen habe. Denn auf dem Weg zum Ziel braucht man sicherlich erfahrene Freunde und Mitstreiter wie Dr. Olaf Heinrich“, unterstrich er.

    Am Rande des Rundgangs über den Markt kam der Bezirkstagspräsident auch mit Vertretern der Landwirtschaft ins Gespräch. Kreisbäuerin Elke Binder, ihre Stellvertreterin Anita Kaspar-Pleintinger, Kreisobmann Siegfried Jäger und BBV-Kreisgeschäftsführer Stefan Hageneder betonten, wie wichtig die Wertschätzung der regionalen Landwirtschaft für den Bauernstand ist und mit welchen Auflagen man zu kämpfen hat. Die Kreisbäuerin überreichte Dr. Heinrich dabei auch ein Kochbuch der Landfrauen aus dem Landkreis, in dem gezeigt wird, wie die Produkte gesund und lecker verarbeitet werden können. Auch Lukas Dillinger, Projektleiter der „Genussregion Niederbayern“, freut sich über die Initiative in Eppenschlag. Er erklärt: „Die Genussregion Niederbayern ist ein Projekt, welches auf Gemeinschaft und Zusammenarbeit basiert. Mit Peter Schmid haben wir einen aktiven Genussmenschen mit viel Erfahrung, der mit Sicherheit verschiedene Lieferketten aufbauen, die Esskultur weiterdenken und unser Bewusstsein für regionale Lebensmittel weiter schärfen wird. Wir sind bereits dabei, das Genussdorf Eppenschlag in unser starkes und wachsendes Netzwerk einzubinden und gemeinsame Handlungsfelder zu identifizieren.“

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