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Freitag, Juni 21, 2024

Alles ständig am Schirm

Lesestoff

Schönbergs unterirdische Lebensadern melden auch per SMS, wenn etwas zwickt.

Markt Schönberg. Seit über 10 Jahren ist der Markt Schönberg Zug um Zug daran, seinen kommunalen „Wasserhaushalt“ intelligent aufzustellen. Beim Abwasser sind seit 2017 alle relevanten Punkte mit Sensorik und digitaler Meldung ausgestattet. Jetzt ist auch das Wasser „vernetzt“.

Noch vor einigen Jahren gab es Meldesysteme, die so aussehen konnten: Wenn dem höchstgelegenen Haushalt das Wasser wegblieb und der einen guten Draht zu Bürgermeister oder Wasserwart hatte, dann blieb noch etwa eine halbe Stunde Zeit um nachzuschauen, ob am Pumpwerk Lueg der Nachschub zum Kadernberg hoch ausgefallen war, bevor die Versorgungslücke mit fallendem Pegel und leeren Leitungen den Markt selbst erreicht hätte, erinnert sich Wassermeister Florian Praml. Heute geht der Restart per Mausklick. Es sei denn, das Problem lag tiefer, anderswo und unerkennbar und wertvolles Nass ergoss sich schon mal zerstörerisch irgendwohin. Dann hätte es auch mal länger eng werden können. Aber auch die Spanne verkürzt sich mit moderner Technik
Jetzt sind Pumpstationen, Hochbehälter und wichtige Schächte mit Sensoren ausgestattet, die selbstständig sofort Alarm schlagen. Ein Gewitter oder ein Stromausfall sind die häufigsten „Störer“. Da kann meist gezielt nach einer Mitteilung per SMS oder Nachricht aufs Tablet sowie Meldung an das Prozessleitsystem in der Kläranlage abgeholfen werden. Teilweise kann auch gleich per Fernwartung eingegriffen und ein System wieder angestoßen werden. Füllstände, Durchflussmengen oder Druckmindererschächte liefern Daten in Echtzeit. Sackt irgendwo ein Wert massiv ab, dann kann ein Rohrbruch der Auslöser sein und der Such- und Absperrradius engt sich schon mal viel zielgenauer ein. Geräuschelogger auf Schiebern wirken dann wie ein Ultraschall des Rohrsystems und führen noch genauer zum Problempunkt, bevor auf Verdacht und teuer gebaggert werden müsste. Christian Nachlinger, Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, nennt die wichtigsten Vorteile der Digitalisierung: „Die Betriebssicherheit für die Bürger – damit auch ein gewährter Brandschutz – sind verbunden mit Kostenersparnis auf längere Sicht. Die Schlagkraft des Wasser-Teams ist einfach höher. Statt nach allen Regenereignissen oder festem Rhythmus alle Anlagen abklappern zu müssen, ob nichts passiert ist, steht die Diagnose live am Bildschirm. Die Zeit bleibt für drängendere Aufgaben übrig. Jürgen Murr ergänzt als Abwassermeister, dass es neben der permanenten Betriebssicherheit auch um die Vermeidung von Umweltschäden geht, wenn schnell und zielgenau reagiert werden kann.
In den Jahren seit 2011 wurden dafür stolze 250 000 Euro ausgegeben, was sich auch in den Preisen bei den Bürgern zum Teil niederschlug. Aber Bürgermeister Martin Pichler betont: „Was hier jetzt fertiggestellt wurde, ist zwar Stand der Technik, aber längst noch nicht überall Standard in den Ver- und Entsorgungsbereichen der Kommunen. Der Gesetzgeber fordert aber immer unmissverständlicher, dass ein bisher rein analysebasierter Ansatz nicht mehr reichen wird, sondern dass eine möglichst risikobasierte Herangehensweise etabliert werden muss, was solche Investitionen unumgänglich nach sich ziehen wird.“ Denn bisher sei das Trinkwasser oft schon getrunken, bevor bei Problemen, die zu Verunreinigungen führen können, Befunde und Abhilfe in Gang gekommen sind. Aber eine auf lange Sicht geschobene Digitalisierung bedeutet zum unerkannten Risiko dann eben auch nicht erspartes Geld, sondern oft hohe Herstellungsbeiträge auf kurze Zeit. Er bedankte sich ausdrücklich beim Team Ab/Wasser dafür, dass sich das ständig selbst per Weiterbildung auf dem Laufenden halte und proaktiv an den Gemeinderat rangehe, wo sinnvolles Verbesserungspotenzial gesehen wird. Das Ergebnis: Eine „Live-Diagnostik“ wichtiger Parameter bietet heute schon die Möglichkeit, verpflichtende behördliche Angaben nicht mehr nur bei Fälligkeit zu geben. Jürgen Murr erntete kürzlich dafür die erstaunte Rückfrage: „Was, wirklich tagesaktuell?“ Und er meldete zurück; Ja, tagesaktuell. Wir haben alles Wichtige ständig am Schirm.“

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