Mit diesen Plakaten will die Thermenwelt Bad Füssing auf die schwierige und auswegslos erscheindende Situation der Hotellerie und Gastronomie hinweisen. Ralf Müller (l.), Bürgermeister Tobias Kurz (2.v.r.) und Günter Köck (r.) übergaben MdL Walter Taubeneder stellvertretend für die Thermenwelt Bad Füssing ein Plakat mit zentralen Forderungen. Auf diesem Plakat konnten innerhalb von nur 12 Stunden über 500 Unterstützer-Unterschri en gesammelt werden (Foto: Thermenwelt Bad Füssing)

Forderung nach Perspektiven

Thermenwelt Bad Füssing schreibt Brandbrief an Politik im Namen aller lokalen Unternehmen

Bad Füssing. „Seit 130 Tagen haben wir alle ein Berufsverbot! Seit 130 Tagen sind unsere Mitarbeiter:innen ohne jegliche Perspektive! Es reicht!“ Mit diesen Worten leitet die Thermenwelt Bad Füssing ihren Brandbrief an die Politik ein.

Man wolle nicht nur den betroffenen Unternehmen aus der Region, sondern auch den rund 1000 Angestellten der Therme eine Stimme geben. Die momentane Situation sei unerträglich. Man fühle sich im Stich gelassen. Aus diesem Grund wolle man nun nicht weiter still sitzen. Unter dem Motto „Es reicht! Eröffnungsperspektiven jetzt“ konnten sich die Bürgerinnen und Bürger von Bad Füssing auf einem Plakat der Initiative verewigen. Dieses Plakat wurde im Anschluss an MdL Walter Taubeneder und Landrat Raimund Kneidinger zusammen mit dem Brandbrief übergeben. Die Abgeordneten folgten der Einladung der Thermenwelt Bad Füssing zusammen mit Bürgermeister Tobias Kurz, um sich gemeinsam über die Öffnungs- und Zukunftsperspektiven in der Tourismusbranche auszutauschen.

In dem Brandbrief, der von einem Zusammenschluss verschiedenster Bad Füssinger Unternehmen verfasst wurde, heißt es weiter: „Hinter jedem Unternehmen und hinter jedem unserer Mitarbeiter stehen auch persönliche Schicksale von zerfallendem Selbstwertgefühl, über Depressionen bis hin zu Suizidgedanken.

(Quelle: Thermenwelt Bad Füssing)

Mitarbeiter:innen flüchten aus der Branche

Für jede und jeden Mitarbeiter ist diese Situation eine zunehmend unerträgliche Belastung. Was macht das noch mit unseren Mitarbeitern? Sie flüchten reihenweise aus der Branche, was die Nachwuchsarbeit unserer Betriebe vollständig zerstört. Und nicht nur die Nachwuchsarbeit – auch die Fachkräfte. Diese sind schon Mangelware, wenn nun diese auch abwandern in „sicherere“ Branchen, wird uns eine Wiedereröffnung deutlich erschwert. Daher fordern wir für unsere Mitarbeiter:innen eine Erhöhung des KUG auf 100 Prozent. Denn: Einem Mitarbeiter aus der Gastronomie fehlen nicht 20 oder 30 Prozent ihres Einkommens, sondern eher 40 bis 50 Prozent durch die fehlenden Trinkgelder. Ebenfalls fordern wir auch die Aufhebung des Steuer Progressionsvorbehalt. Es kann nicht sein, dass man 50 Prozent weniger Einkommen zur Verfügung hat und dann einen hohen dreistelligen Betrag erstatten muss.“

Probleme für Ausbildungsbetriebe

Ein weiteres, gravierendes Problem sei die Ausbildung der Azubis. „Wie sollen wir eine vernünftige Ausbildung bieten, wenn der ausbildungsbetrieb mittlerweile (seit letztem Jahr, März) seit neun Monaten geschlossen hat. Wir bilden Tourismusfachleute, Köche, Hotelfach- und Restaurantfachangestellte aus – doch die Ausbildung ist am Gast und nicht nur in der Theorie“, so die Thermenwelt Bad Füssing.

Sie bitten daher darum, mit Verantwortung wieder ihre Türen öffnen zu dürfen. „In ganz Deutschland haben Hotels im vergangenen Jahr hervorragende Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt. Diese haben sich bewährt und gewährleisten höchste Sicherheit“, so die Initiatoren.

MdL Walder Taubeneder stellt sich hinter die Forderungen der Gastronomen, Hoteliers und Unternehmen. Man brauche eine zeitnahe und verlässliche Öffnungsperspektive, so der Abgeordnete. Laut einer neuen Studie des Robert-Koch-Instituts herrscht in Hotels ein niedriges Infektionsrisiko. „Wir sind bereit wieder zu öffnen, für uns, für alle Dienstleister und Einzelhandel. Verantwortlich unter höchsten Sicherheits- und Hygieneregeln. Wir müssen weg von pauschalem Schließen und hin zu einer fokussierten gemeinsamen Sicherheit. Eine Sicherheit, die auch den Tourismus wieder möglich macht. Urlaub und Gesundheit müssen wieder in einem Wort genannt werden“, so die Thermenwelt Bad Füssing. Das Ziel sei nicht, weiter über hochkomplexe und in Bürokratie gefangene Rettungsschirme zu reden. Man wolle keine Rettungsschirme, man wolle wieder arbeiten.

Die Forderungen der Initiatoren
1. Forderung ist die Wiedereröffnungsstrategie der ZEITGLEICHEN Thermen, Gastronomie und der Hotels! (ohne Begrenzung, jedoch mit den AHA-Regeln)
2. Teststation vor dem Einlass in Therme und Hotels. Zeitgleich zweimaliger Test für alle Mitarbeiter:innen des Standorts inklusive Einzelhandel
3. Verbindliche Einführung der LUCA App, inklusive QR-Code in allen Betrieben und Thermen zur Nachverfolgung. Hierzu auch Einbindung des Gesundheitsamtes
4. Sonderration Impfstoff (Herstellerunabhängig) im Grenzbereich: 30 km Umkreis Grenzregion
5. Sonderzahlung an Mitarbeiter:innen – Bonuszahlung einmalig. Wichtig hier auch: Mitarbeiter:innen können nicht dauerhaft von KUG leben. Abwanderung in andere Branchen, somit wird eine Eröffnung erschwert
6. Öffnung aller Hotels und Thermen nach Vorbild Mecklenburg-Vorpommerns; nur Urlauber aus dem eigenen Bundesland
7. Sonderfond Werbung, zumindest 74.000 Euro aus dem Sonderbudget des Landkreises