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Dienstag, Mai 28, 2024

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat ein wichtiges Ziel erreicht

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Nationalparkchef Dr. Franz Leibl blickt auf die vielfältigen Arbeitsbereiche des Parks

Grafenau. Im 52. Jahr seines Bestehens hat der Nationalpark Bayerischer Wald ein wichtiges Ziel erreicht. 75,37 % seiner insgesamt 24945 Hektar Fläche sind Naturzone. Naturzonen sind Bereiche wo keine menschlichen Eingriffe mehr erfolgen. Damit hat der Nationalpark die internationalen Vorgaben für einen Nationalpark erfüllt. Aber das ist ja bei weitem nicht alles. Der Park ist mit über 200 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber der Region. Die Mitarbeiter gehen vielfältigen Aufgaben nach. Dr. Franz Leibl geht im Interview ins Detail und blickt ein wenig hinter die Kulissen. „Totholz“ ist ein Begriff, der in den letzten Jahren seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Zu diesem Thema forscht der Park seit Jahren und ist zum wichtigen Impulsgeber für staatliche Forstbetriebe und private Waldbesitzer geworden. Totholzstümpfe stehen lassen, die Rinde befallener Fichten schlitzen sind zu einem Aspekte, die dem Borkenkäfer die Arbeit schwer machen und zum anderen beherbergt jedes Totholz Lebensgemeinschaften vom Käfer bis zum Pilz. Außerdem schafft der Specht dort Bruthöhlen, die genauso von anderen Vögeln benutzt werden. Somit ist Totholz sehr wichtig für den Artenreichtum in der Natur und auch für einen gesunden Wald. Totholz gibt jungen Bäumen Schutz. Mittlerweile geht man auch in staatlichen Forsten dazu über Totholz wenn möglich im Wald zu lassen. Totholz ist Lebenselexier des Waldes, meint Dr. Leibl. Natürlich erstrecken sich die Forschungen des Parks auch auf viele weitere Bereiche der Natur. Die unberührte Natur liefert viele Erkenntnisse, die uns helfen Prozesse wie die Klimaerwärmung und beispielsweise das Leben von Luchs und Wolf besser zu verstehen. Dies kommt der Ausrichtung der Wirtschaftswälder zu gute. Der Nationalpark Bayerischer Wald als erster seiner Art hat in den 52 Jahren seines Bestehens viele Erkenntnisse gesammelt, die schon seit Jahren neuen Nationalparks weit über die Grenzen Europas zugute kommen. Das Management des Parks haben neue Parks quasi als Blaupause geliefert bekommen, meint der Nationalparkleiter. Zusammen mit dem Nationalpark Sumava auf der tschechischen Seite bildet der Park das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas. Die enge Zusammenarbeit beider Parks nicht nur bei Forschungsprojekten bietet eine Fülle von Möglichkeiten. Tiere und Pflanzen halten sich nun mal nicht an Landesgrenzen. Kommen wir zu einem weiteren Thema, dass Dr. Leibl am Herzen liegt, die Umweltbildung. Die Zusammenarbeit mit Schulen und die Junior Ranger bieten die Plattform junge Menschen in Kontakt mit der Natur zu bekommen und deren Bedeutung für uns zu begreifen. Genauso bieten die vielen angebotenen Führungen des Parks jedem Interessierten die Chance Wissen aus erster Hand zu bekommen. Dies gilt selbst für „Problempunkte“ wie die Rückkehr der Wölfe. Schon vor den Gebrüdern Grimm hatte der Wolf ein schlechtes Image. Aber er hat seinen wichtigen Platz in der Natur. Die Natur gesamt ist ein riesiges Netzwerk wo jedes Lebewesen seinen Platz und seine Aufgabe hat. Man denke nur an die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Bäumen und Pilze. Erst in den letzten Jahren hat man begonnen dies zu erkennen und zu erforschen. Die wissenschaftliche Vortragsreihe des Nationalparks genauso wie die Videos auf You Tube ergänzen das umfangreiche Umweltbildungsangebot. Gerade Dr. Leibl,, der Mitte nächstes Jahres nach über 12 Jahren Leitung des Parks in Pension geht, ist es wichtig die Arbeit des Parks offen und transparent darzustellen. Jeder soll wissen was wir tun, betont er im Gespräch. Anregungen aus der Bevölkerung hat er immer ernst genommen. Kommunikation auf Augenhöhe, nennt er das. Mit fast 86% Zustimmung zum Park gemäß der letzten Umfrage zeigt sich klar, dass der Park heute von der Bevölkerung mitgetragen wird. Die heftigen Proteste aus den Anfangsjahren sind verhallt. Die wichtige Bedeutung des Parks auch im lokalen Bereich ist klar. Die touristische Bedeutung und die Wertschöpfung daraus für die Beherbergungsbetriebe  etc. ist mittlerweile jedem klar. Jeder Tourist, der die Natur im Park kennenlernt, hat die Chance wieder zu Hause seiner eigenen Natur in der Umgebung eine andere Bedeutung beizumessen. Nicht zuletzt ist der Park für viele Tier und Pflanzenarten oft ein letztes Rückzugsgebiet. Hier gebietet es bei Streifzügen durch das Parkgelände darauf Rücksicht zu nehmen. Das Wegegebot und andere Verhaltensmaßnahmen hält Störungen von oft empfindlichen Tierarten wie dem Auerhuhn fern. Die Ranger im Park sorgen mit Recht für die Einhaltung der Maßnahmen und sind gleichzeitig eine wichtige Informationsquelle für Besucher. rd

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