Pflegestudium braucht einen ‚Booster‘

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    Deggendorf. Am 12. November traf sich das Pflegenetzwerk Ostbayern, um die kritische Lage des Studiengangs Pflege zu diskutieren. Die bundesweit, aber auch in Ostbayernsehr niedrigen Studierendenzahlen, machenden Verantwortlichen große Sorgen. Und nicht nur an den Hochschulen, sondern auch bei den Gesundheitsorganisationen, die inzwischen verzweifelt um Pflegenachwuchs werben.

    Die Anzahl der Studentinnen und Studenten im grundständigen Pflege-Studium ist sehr gering. Auch in Deggendorf. „Im gesamten Bundesgebiet gibt es nur 350 Studierende“, berichtet Prof. Dr. Christian Rester von der Fakultät für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Technischen Hochschule Deggendorf (THD). An der THD seien aktuell lediglich gut sechs Prozent der verfügbaren Studienplätze für die Pflege belegt. Dass die Quote so niedrig sei, dafür gebe es mehrere Faktoren.

    „Definitiv“, so Rester, „ist die fehlende Vergütung ein mehr als gewichtiger Grund.“ Pflege-Studierende würden insgesamt 2.300 Praxisstunden absolvieren. Auch seien ihre Semesterferien durch die praktische Arbeit in Altersheimen, Krankenhäusern oder Reha-Kliniken verkürzt. Zeit für Nebenjobs bleibe da kaum. Aber „selbst wenn eine Vergütung käme, ist das kein Garant für mehr Studienanfängerinnen und -anfänger. Studierende haben Frust, weil zusätzlich keine klaren Berufsperspektiven vorhanden sind“, meinte Rester im Netzwerktreffen. Noch immer sei weitestgehend unklar, wie, wo und als was Absolventen des Studiums in Zukunft arbeiten können.

    Ob sich das Studium wirklich auszahlt und im Endeffekt danach eine bessere Vergütung kommt – die Mitglieder des Netzwerks hoffen es. Dabei wünschen sie sich vor allem mehr Unterstützung der Politiker. Rester: „Wir brauchen einen Booster. Und zwar schnell.“

    Auch ein neuer Studiengang wurde im Netzwerk besprochen. Ein Bachelor Pflege (weiterqualifizierend) ist derzeit in Planung und soll voraussichtlich im kommenden Wintersemester 2022/23 starten. Ziel ist unter anderem die Akademisierung von bereits examinierten Pflegefachfrauen und -männern. Wer da mitmachen möchte, benötigt entweder eine Hochschulzugangsberechtigung plus Ausbildung in der Pflege (alle Fachrichtungen) oder aber eine Pflege-Ausbildung plus dei Jahre Berufserfahrung. Damit spricht dieses Studium alle Interessierten an, die als bereits examinierte Pflegende beispielsweise in Altenheimen, beim ambulanten Pflegedienst oder in der Kinderkrankenpflege ihre Ausbildung absolviert haben.

    Mehr Informationen zu diesem Studiengang gibt es bei virtuellen Info-Veranstaltungen am 3. Dezember 2021, 14. Januar und 4. Februar 2022 um jeweils 14.00 Uhr. Der Zugangslink und weitere Informationen gibt es unter www.th-deg.de/agw.


    Das Pflegenetzwerk Ostbayern wurde 2015 gegründet und tagt in regelmäßigen Abständen. Beiratsvorsitzender des ist Prof. Dr. Christian Rester, der zudem auch Dekan der Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften der THD und Studiengangsleiter des Pflege-Studiums ist. Zum Pflegenetzwerk gehören zahlreiche Einrichtungen sowie das Pflege-Team der THD.

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