Corona-Tests in Unternehmen: Große Bereitschaft, mangelnde Unterstützung

Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern (Foto: Detail Schaller)

IHK sieht noch ungeklärte Fragen und spricht sich gegen eine Testpflicht aus

Für die Wirtschaft sind Corona-Tests ein wichtiger Baustein für den Weg aus der Krise, die Betriebe stehen aber noch vor vielen offenen Fragen und Problemen – das betont Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern. Er stützt sich dabei auf eine bundesweite Umfrage der IHK-Organisation. Fast 50 Prozent der Unternehmen bieten demnach ihren Beschäftigten bereits Corona-Tests an oder planen, das in Kürze zu tun. Viele Betriebe, die derzeit nicht testen, sind komplett im Homeoffice tätig oder vom Lockdown betroffen. „Die niederbayerischen Umfrageergebnisse decken sich im Wesentlichen mit dem Bundesdurchschnitt, die Bereitschaft für Tests ist sogar noch etwas höher. Aus Rückmeldungen der Unternehmen wissen wir zudem, dass diese Bereitschaft weiter steigt“, sagt Schreiner.

Er erläutert aber auch, wo die Probleme liegen: „Beim Thema Corona-Tests herrscht viel Unsicherheit. Wie lässt sich eine Teststrategie im betrieblichen Ablauf integrieren? Braucht es dafür extra geschultes Personal? Welche Tests sind zulässig, wie schaut allgemein die Rechtslage rund ums Testen aus? Und wer bezahlt die Tests? Solche und weitere Fragen stellen sich die Unternehmen.“ Die IHK reagiert darauf Schreiner zufolge unter anderem mit gezielter Beratung, einer eigenen Webinar-Reihe zu Corona-Tests und weiterführenden Informationen im Internetauftritt. Für die Umsetzung empfiehlt Schreiner die Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt oder mit Apotheken vor Ort. Er verweist außerdem auf die Online-Datenbank www.ihk-ecofinder.de, in der seit Kurzem auch Anbieter von Corona-Tests gelistet sind. „Das Hauptproblem ist die Beschaffung der Tests. Lieferengpässe bremsen die Betriebe aus und bei regelmäßigen Tests in der gesamten Belegschaft kommen schnell hohe Summen zusammen, die gerade für kleine und mittlere Betriebe in der Krise nicht zu schultern sind“, warnt der IHK-Chef.

Seine Forderung ist daher klar: „Die Wirtschaft zeigt große Bereitschaft, mit einer wirksamen Teststrategie der Pandemie etwas entgegenzusetzen. Der Schutz der eigenen Mitarbeiter, eine Eindämmung der Ansteckungsgefahr und gleichzeitig die Möglichkeit, Unternehmen und Kunden wieder miteinander in Kontakt kommen zu lassen – für all das bieten Schnell- und Selbsttests viele Möglichkeiten, die nun auch genutzt werden müssen. Für diesen Beitrag zur Pandemiebekämpfung erwartet sich die Wirtschaft aber staatliche Unterstützung. Es kann nicht sein, dass die Unternehmen für diesen Einsatz auf den Kosten sitzen bleiben.“ Deswegen wendet sich Schreiner deutlich gegen eine Testpflicht in Unternehmen: „Lockdown und Corona-Einschränkungen haben viele Unternehmen an den Rand ihrer Existenz gebracht. Die bisherige Erfahrung zeigt leider, dass Corona-Regeln uneinheitlich, ungerecht und oftmals sehr fern von der betrieblichen Praxis verfasst werden. Eine Testpflicht lehnt die Wirtschaft daher ab. Gerade in der Krise sind neue finanzielle und bürokratische Belastungen das falsche Signal.“