Sie legten gemeinsam Hand am Pilotprojekt an: Die angehenden Ingenieure und Zimmerer bei der Fertigstellung des Dachstuhls (Foto: Poth)

Berufsschulde Waldkirchen präsentiert Pilotprojekt

Berufliches Schulzentrum baut Zusammenarbeit mit Hochschule aus

Waldkirchen. Kürzlich konnte am Beruflichen Schulzentrum der Abschluss des ersten Projekts der Zusammenarbeit im Rahmen des Modellschulprojekts „Digitalisierung im Holzhandwerk“ mit der Hochschule Regensburg gefeiert werden. Projektleiter Michael Anderle konnte zu diesem besonderen Anlass viele Ehrengäste begrüßen. Gekommen waren unter anderem Landrat Sebastian Gruber, MdL Max Gibis, Prof. Mathias Obergrießer von der Ostbayerischen Hochschule in Regensburg, Stefan Rieder von der Stiftung Bildungspakt Bayern im Kultusministerium, Schulleiterin Elvira Wudy, Regionalmanager Stefan Schuster, Fachlehrer Christoph Grinninger und die Akteure wie angehende Ingenieure und Zimmerer.

Berufsschule und Hochschule noch stärker zu vernetzen, das ist das Ziel des Beruflichen Schulzentrums in Waldkirchen im Rahmen des Projekts „Perlen 40“. „Wir wollen die bestehenden Kooperationen Hochschule/Berufsschule ausbauen, um eine Weiterentwicklung des bereits in die Ausbildung integrierten CNC-Kenntnisse bei den Zimmerern für leistungsstarke Schüler zu erreichen“, betont Michael Anderle, Abteilungsleiter Bau/Holztechnik. Zudem soll der Übergang von der Berufsausbildung bis zum Studium erleichtert werden. Im Gegenzug könnten aber auch Anreize geschaffen werden, dass sich mehr Schüler mit Hochschulzugangsberechtigung für eine Ausbildung begeistern werden. Die Digitalisierung hält auch im Handwerk in großen Schritten Einzug. Gerade hier bietet sich für die Hochschule ein wichtiges Themenfeld der Forschung und Lehre. Auf der anderern Seite gibt es auch an den Berufsschulen bereits viele Bereiche, in denen die Digitalisierung in der Grundausbildung eine immer größere Rolle spielt. „Die Hochschule hat dabei den Begriff vom „Digitalen Holzwerker“ geprägt, den wir als Arbeitstitel gewählt haben“, sagt Michael Anderle. Die grundlegende Idee dabei ist, praxisnahe Schnittstellen zwischen Ingenieuren und Handwerkern zu eruieren und mit einem pädagogisch-didaktischen Konzept ein für beide Seiten gewinnbringende Projekte zu entwickeln. Ein besonderes Augenmerk soll gerade auf die Digitalisierung in der Planung sowie Fertigung und hier in die Übermittlung benötigter Dateien von beiden Seiten gelegt werden. Die Digitalisierung zieht immer stärker auch in die Handwerksbetriebe ein. Sie bietet eine große Chance für den ländlichen Raum und ermöglicht eine vereinfachte Kommunikation zwischen verschiedenen Firmen. Darum ist eine Fortentwicklung der Medienkompetenz gerade auch in den Handwerksberufen unabdingbar. Deshalb ist auch geplant, lokale Firmen und Ausbildungsbetriebe mit einzubinden. Ziel dieser Kooperation ist auch, betrieblichen Ausbildern sowie Berufsschullehrern zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln. Daraus ließe sich ein gemeinsamer Fortbildungsrahmen für Ausbilder, Lehrer und Studierenden sowie deren Professoren entwickeln.

Als Zeichen des Dankes für die „fruchtbare“ Zusammenarbeit überreichte Michael Anderle an Prof. Mathias Obergrießer eine Holzsäge (Foto: Poth)

Im Zentrum der Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl „Digitales Bauen“ der Ostbayerischen Technischen Hochschule stand bei den Zimmerern ein zu planender Dachstuhl. Die Projektidee wurde anhand eines Planspiels umgesetzt und eine Realsituation simuliert. Dabei arbeiteten die Hochschule und die Berufsschule Hand in Hand dem vorgegebenen Auftrag. Die Zimmerer der Berufsschule und die Studenten der Hochschule setzten das Projekt auf der Basis derselben Daten und Informationen um. Grundlage war hierbei ein Kundenauftrag, an diesem der gesamte Planungs- und Fertigungsprozess schrittweise durchgespielt wurde. Gerade in der Praxis zeigt sich oft, dass sich diese Schnittstelle zwischen Planungsbüro und ausführende Firma dahingehend Probleme macht, welche Daten jeweils übermittelt werden müssen und in welcher Form diese übermittelt werden sollen. Auch Absprachen und Änderungen in verschiedenen Planungsstufen erzeugen oft Abstimmungs- und Änderungsbedarf. Insbesondere Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise an ein Studium nach ihrer Ausbildung denken, würden solch ein Projekt zusätzliche Fachkompetenzen vermitteln, die über das übliche Niveau hinausgehen. Dies würde auch ein gewichtiges Argument bilden, um diese Schülerinnen und Schüler zu einer Ausbildung im Handwerk zu ermutigen.

Die Gäste zeigten sich vom Pilotprojekt beeindruckt (Foto: Poth)

Am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum in Waldkirchen ist bereits seit längerem ein Schulentwicklungsteam etabliert, das eng mit der Schulleitung und den Abteilungen zusammenarbeitet. Auch die Holzabteilung hat Mitglieder in diesem Team. Dadurch ist die Möglichkeit für eine enge Zusammenarbeit bereits gegeben. Da im Landkreis und in der Holzabteilung schon seit Jahren viel für technische Ausstattung getan wurde, verfügt die Schule bereits über alle technischen Voraussetzungen, die für ein solches Projekt notwendig waren.

Schulleiterin Elvira Wudy sieht in dem Projekt einen Mehrwert in der Ausbildung. Doch bringt es auch Anforderungen mit sich, da dafür dringend Fachkräfte gebraucht werden.
MdL Max Gibis sieht in der digitalen Vernetzung zwischen Hochschule und Berufsschule einen wichtigen Prozess für eine hochqualifizierte Berufsausbildung. Wichtig sind auch die Menschen, wie Michael Anderle, die dahinterstehen.

Und auch Prof. Mathias Obergrießer von der Ostbayerischen Hochschule in Regensburg begrüßt die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und dem Beruflichen Schulzentrum Waldkirchen. „Wir haben sozusagen eine Win-Win-Situation geschaffen“, sagt er.

Studenten und Zimmerer (Foto: Poth)

Landrat Sebastian Gruber zeigte sich beeindruckt von diesem bemerkenswerten Projekt, dessen Ergebnisse er live mitverfolgen konnte. Gleichzeitig freut es ihn, dass die Schule bei diesem Modellversuch eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Sein Dank ging an Projektleiter Michael Anderle, der die fruchtbare Symbiose zwischen Hochschule und Berufsschule bewerkstelligt hat.