Bayern bei Schülerfahrten nur Klassenletzter

Bayerisches Kultusministerium bremst Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern beim Thema Wiederzulassung von Klassenfahrten aus | Andere Bundesländer ermöglichen längst wieder soziales Lernen in Jugendherbergen

Bayern. „Inzwischen kommen wieder Schulklassen aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen oder Hessen in die Jugendherbergen in Bayern. Für bayerische Schülerinnen und Schüler liegt diese Form des sozialen Lernens noch immer in weiter Ferne. Es ist völlig unverständlich, warum das Bayerische Kultusministerium Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern nachdrücklich davon abrät, auf Klassenfahrten zu gehen. Dabei wären diese jetzt von immenser Bedeutung für das psycho-soziale Wohl und die Förderung der Lernmotivation der Heranwachsenden“, kommentiert Klaus Umbach, Präsident des Bayerischen Jugendherbergswerk, die zögerliche Haltung des Ministeriums.

Nachdem die Inzidenzwerte bundesweit weiter sinken, hatten die meisten Bundesländer das Verbot von Klassenfahrten aufgehoben, weil umfassende und bewährte Hygienekonzepte und der sorgsame Umgang der Mitarbeiter:innen mit den Gästen für maximale Sicherheit in den Häusern sorgen. Im Gegenteil – die zuständigen Ministerien haben beispielsweise in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Hessen Schulleitungen und Lehrer:innen dazu ermutigt, in den verbleibenden Wochen bis zu den Sommerferien Klassenfahrten durchzuführen.

Das Bayerische Kultusministerium hatte zwar das generelle Verbot von Klassenfahrten aufgehoben – rät aber in seinen kultusministeriellen Rundschreiben an Schulen und Eltern dringend von Planung und Durchführung solcher Fahrten ab. Umbach: „Das kommt einem de facto Verbot von Schulfahrten gleich. Außerdem zeigt die Praxis, dass es bayerischen Lehrerinnen und Lehrern fast unmöglich gemacht wird, die Auflage des Ministeriums zu erfüllen – sollten sich Schulen dennoch dazu entscheiden, gemeinsam auf Fahrt zu gehen. Dabei haben wir als Landesverband beispielsweise durch Sonderregelungen bei Stornierungen längst dafür gesorgt, dass die Organisatoren von Klassenfahrten von solchen Sorgen befreit sind.“

Während dieser gemeinsamen Begegnungs- und Bildungsreisen sind vor allem wieder Teamerlebnisse als Klassenverbund möglich, soziales Lernen zur Bewältigung der Folgen des lang anhaltenden Lockdowns erfährt dabei eine zentrale Bedeutung im Prozess des Heranwachsens. Gleichzeitig können während einer Klassenfahrt auch entstandene Defizite in der Bearbeitung des Lehrplanstoffs ausgeglichen werden.

Der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk fordert eine unverzügliche Angleichung an die Praxis in anderen Bundesländern beim Umgang mit Klassenfahrten und eine Zusage, dass diese Form des außerschulischen Lernens nicht weiter behindert wird. Bayern ist in dieser Frage längst zum Klassenletzten geworden.

Im Interesse des Wohlergehens von Kindern und Jugendlichen – aber auch zum Nutzen von Lehrkräften und Eltern – müssen Klassenfahrten, weitgehend unabhängig von Inzidenzwerten, sondern unter Anwendung der sogenannten 3G-Regeln, noch in diesem Schuljahr möglich sein.

Zudem fordert der Landesverband verlässliche Perspektiven für das kommende Schuljahr und darüber hinaus. „Eine weitere Fokussierung auf die 7-Tage-Inzidenz ist in Anbetracht der wachsenden Zahl von Impfungen unangebracht. Dies könnte im Herbst dazu führen, dass bayerische Kinder und Jugendliche immer noch keine Klassenfahrten durchführen können und erneut Jugendherbergen schließen müssen, weil die 100er-Marke gerissen wird. Wir können unseren Kindern keinen weiteren Lockdown und das Aussetzen von Bildung und Begegnung zumuten“, so Umbach.