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Sonntag, März 3, 2024
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Arbeitsplätze kontra Natur und Umwelt?

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Sondergebiet Fahrzeug- und Transportlogistik Praßreut-Winkeltrumm sorgt für Aufregung

Röhrnbach. Seit 20. Juni laufen die sogenannten Bodennivellierungsarbeiten zu dem neuen Sondergebiet im Bereich der Gemeinde Röhrnbach. Die Fläche beträgt 7 Hektar, wovon 3,8 Hektar Betriebsfläche sind und der Rest Ausgleichsfläche. Die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans sowie der Bebauungsplan wurden von der Gemeinde genehmigt. Die Genehmigung der Änderung des Flächennutzungsplans erfolgte durch das Landratsamt. Einwände der unteren Naturschutzbehörde begegnete die Gemeinde Röhrnbach durch sogenannte grünordnerische Festsetzungen. Der Bauantrag zu dem Vorhaben wurde am 4.7.2017 eingereicht und von der Gemeinde positiv beschieden. Nun liegt dieser beim Landratsamt zur Entscheidung. Ein dazu gehöriges Lärmschutzgutachten liegt dem Landratsamt erst seit wenigen Tagen vor. Erfolgt ein positiver Bescheid zum Antrag, dann sind die baulichen Maßnahmen nur noch schwer zu verhindern. Es handelt sich um rund 870 Autostellplätze, ein Logistikzentrum und eine Autowerkstatt. Bauherr ist eine ortsansässige Transportfirma.

Gegner dieses Bauvorhabens sind zum einen unmittelbare Anwohner dieses Sondergebietes. Ihnen geht es um die unmittelbare Lärmbelästigung durch etwa 30 Lkw, die nach Fertigstellung der Anlage Tag und Nacht anliefern werden. Die Zufahrtsstraße ist eine Gemeindestraße mit einer Breite von 4,5 Meter. Zwei Fahrzeuge im Begegnungsverkehr – da wird es eng. Außerdem handelt es sich hier um einen Schulweg zur nächsten Bushaltestelle. Vor allem im Winter mit Schnee dürften die Schüler überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten haben, wenn ein Lkw kommt. Ein Gewerbegebiet, das auf der grünen Wiese entsteht, bedeutet eine erhebliche Flächenversieglung. Hier hakt auch der Bund Naturschutz ein. „Ziele der Staatsregierung zum Schutz von Natur und Landschaft sowie wertvollem Ackerland sind wertlos, wenn ohne Alternativenprüfung rücksichtlos private Gewinninteressen von den kommunalen Entscheidungsträgern in der Gemeinde und dem Landratsamt durchgesetzt werden“, kritisiert Landesbeauftragter Richard Mergner vom Bund Naturschutz. Der Bund Naturschutz unterstützt die Anwohner bei ihrem Kampf gegen das Bauvorhaben. Der nahe Freibach mit seltenen Tierarten sowie die Verschandelung der Landschaft durch die exponierte Lage des Bauvorhabens sind weitere Kritikpunkte des Bundes Naturschutz. Bei einem gemeinsamen Treffen von Bund Naturschutz, Gegner des Sondergebietes und einem hinzugezogenen Münchner Rechtsanwalt war von letzterem zu hören, dass vor der Erteilung der Genehmigung des Bauantrages durch das Landratsamt unbedingt eine rechtliche Stellungnahme durch die betroffenen Anwohner einzureichen ist. Ein Normenkontrollantrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ist außerdem möglich. Die Rechtmäßigkeit wird dann im gerichtlichen Verfahren geprüft. Die Naturbeeinträchtigung und der Lärm seien Hauptansatzpunkte. „ Nach den Vorgaben des Regionalplans sollte im Bayerischen Wald die nachhaltige Nutzung des Kapitals Erholungslandschaft absolute Priorität genießen“.

Röhrnbachs Bürgermeister Gutsmiedl meinte im Gespräch zu den einzelnen Punkten: „ Die Wege werden jetzt ja auch schon mit Lkw befahren. Außerdem seien große Ausgleichsmaßnahmen geplant wie ein großes Rückhaltebecken sowie Schallschutzmaßnahmen. Auch beim Abwasser gebe es keine Probleme. Alternativen wurden geprüft, aber die Flächen waren entweder zu klein oder standen nicht zur Verfügung. 50 Arbeitsplätze sollen entstehen und vielleicht sogar mehr. In einem strukturschwachen Gebiet wie in unserem Landkreis halte er das für wichtig. Arbeitsplätze schaffen Finanzkraft für eine Gemeinde, damit sie in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erfüllen und den Einwohnern etwas bieten kann. Eine Firma des Bauherrn fährt sogar für Knaus Tabbert, einem wichtigen Arbeitgeber unserer Region. Regionales Denken hält Bürgermeister Gutsmiedl für wichtig.
Der Bauherr und Unternehmer Christian Binder erklärt telefonisch: Sein Unternehmen arbeitet schon seit Jahren mit verschiedenen Autoherstellern zusammen. Autos erhalten durch ihn Einbauten oder Umbauten, werden gegebenenfalls zwischengelagert und anschließend wieder ausgeliefert. Für den Ausbau dieser Zusammenarbeit hat er keine andere Alternative gesehen, als auf eigenem Grund am Standort Praßreut-Winkeltrumm. Beim Bau würden selbstverständlich alle gesetzlichen Regelungen eingehalten. Dass der Bund Naturschutz dagegen ist, wisse er. Von Bedenken der Anwohner sei ihm nichts bekannt. Investitionen in unserem strukturschwachen Gebiet halte er für wichtig. Für seinen Betrieb in Jandelsbrunn bestehe derzeit keine Planung, diesen ebenfalls an den neuen Standort zu verlagern. Über die genaue Anzahl der Arbeitsplätze könne er momentan noch nichts sagen. Das müsse sich entwickeln.

Bild oben: Gut sichtbar die Enge der Zufahrtsstraße zum Gewerbegebiet.

Bild darunter: Treffen der Anwohner mit Dr. Peter Mayer Vorsitzender der Kreisgruppe FRG des Bundes Naturschutz (ganz links) sowie mit Rechtsanwalt Sebastian Heidorn aus München (Mitte).
Fotos: MuW/r.demont

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