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2015 – ein erfolgreiches Jahr für die Raiffeisenbank

Lesestoff

Marktposition weiter gestärkt – Ergebnis über Landesdurchschnitt

Schönberg: Niedrigzinsen, überzogene Regulatorik und Meldewesen, sowie die Digitalisierung sind die großen Herausforderungen der Banken.
Trotzdem konnte die Raiffeisenbank Am Goldenen Steig bei der Vertreterversammlung im KuK auf ein erfreuliches Jahr zurückblicken.

Aufsichtsratsvorsitzender Franz Brunner konnte hier auch Vertreter von den Verbundunternehmen Bausparkasse Schwäbisch Hall, der Allianzversicherung und der Versicherungskammer Bayern begrüßen. Bürgermeister Martin Pichler überbrachte die Grüße der Marktgemeinde und bedankte sich für die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Vorstandsvorsitzender Alois Atzinger ging in seinem Bericht auf allgemeine Themen, zu Problemen in der Bankenlandschaft und auch zu Plänen der Gesetzgebung ein.
Aus dem Bericht von Atzinger: „Wir haben uns in einem herausfordernden Marktumfeld erfolgreich behauptet und unsere Position in der Region weiter gestärkt. Unsere Kunden vertrauen uns. Das war die Basis für die gute Entwicklung, denn Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit stelle bei Finanzdienstleistungen den Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten dar. Wir müssen vieles hinnehmen und umsetzen, was wir nicht beeinflussen können, aber unmittelbar auf unser Geschäftsmodell Auswirkungen hat (EZB, EU, Verbraucherschutz). Unsere Bank orientiert sich nicht am schnellen Erfolg, sondern am langfristigen, auf partnerschaftlicher Basis erarbeiteten Erfolg.
Trotz der Niedrigzinsen ist es wichtig, für das Alter vorzusorgen. Hierzu müsse man früher, mehr und anders sparen.
45.770,00 Euro wurden an Spenden verteilt und über 2 Mio. Euro wurden Steuern bezahlt.
Bei der Bereitstellung von Förderkrediten war die Bank wieder Spitze. Der Mittelstand ist das Rückgrat, das Kraftzentrum, der deutschen Wirtschaft. Kleinteilige und gut diversifizierte Kredite an den Mittelstand sind unsere Stärke.
Ein Ende der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit anhaltend niedrigen Zinsen ist nicht in Sicht. Die Zinsmargen der Banken werden in den nächsten Jahren weiter sinken und damit die Betriebsergebnisse. Das „achte Weltwunder“ vom Zinseszins funktioniert nicht mehr.
Auf der Kostenseite machen den Banken die zunehmenden Regulierungskosten zu schaffen, denn diese treiben die Kosten in die Höhe – es sind Fixkosten, die kleine, regionale Banken besser belasten als Großbanken. Wenn man die zu leistenden Arbeitsstunden alleine für das Meldewesen einer normalen Genossenschaftsbank zusammenzählt, kommen bereits jetzt rund 20 Tage im Monat zusammen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht von einem Zentralismus und Dirigismus überholt werden und damit die unternehmerische Freiheit begrenzt wird. Als Negativbeispiel führte er den „AnaCredit“, die geplante EZB-Kreditdatenbank, an. Es ist geplant, dass die Banken ab 2018 alle Kredite ab 25.000 Euro melden müssen, aber nicht nur Name des Kreditnehmers und Betrag, sondern bis zu 100 Krediteinzelmerkmale pro Kredit! Es würde ein riesiger Zahlenfriedhof, ein Meldewahnsinn, ein Beamtenapparat entstehen, ohne erkennbaren Nutzen und mit hohen Kosten, die wieder der Kunde zahlen müsste.
Er ging auch auf die Landwirtschaft ein und den Preisverfall bei Milch und bat die Teilnehmer, regionale Produkte und in der Region einzukaufen.
Eine Reduzierung der Milchmenge alleine in Deutschland ergibt keinen Sinn. Das Problem muss auf europäischer Ebene angegangen werden.

Ein bedauerliches Beispiel für die Zentralisierungsabsichten in Europa ist die geplante europäische Einlagensicherung. Für deren Etablierung gibt es keinen rationalen Grund. Denn auf die Sicherungssysteme in Deutschland ist Verlass. Anderswo in Europa wurde der Sparerschutz stiefmütterlich behandelt. EU-Kommissar Jonathan Hill will diesen zentralisieren und nationale Systeme abschaffen. Das wäre eine gefährliche Idee, denn das würde bedeuten, dass Bankrisiken vergemeinschaftet würden. Im Klartext hieße das: Deutsche Banken und Sparer sollten in Zukunft haften, um im Pleitefall Bankkunden in Zypern, Griechenland oder Portugal auszuzahlen. Wir sollen für Risiken einstehen, die wir nicht eingegangen sind.
Auch hier zeigt sich ein Schwachpunkt der EU: Über 50% der europäischen Bankenkraft kommt aus Deutschland. Wir haben aber in Europa leider ein Abstimmungsverhältnis wie bei uns Genossenschaftsbanken: Jeder hat nur eine Stimme – leider! Und Deutschland ist eindeutig der Zahler.
„Money for nothing“ lautet das neue Motto der Europäischen Zentralbank. Am 10.März 2016 wurde eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschlossen – Geldpolitik mit der Brechstange. Mario Draghi finanziert dies nicht aus eigenen Mitteln, sondern wirft die Notenpresse an. Wem hilft das? Den hochverschuldeten Staaten, die sonst ihre Zinsen nicht mehr bezahlen können. Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto anfälliger wird das System für Zinserhöhungen, die irgendwann kommen müssen. Staaten schieben die Haushaltskonsolidierung auf. Das wird sich rächen, wenn die Zinsen wieder steigen.
Das Vertrauen in die Notenbank ist schwer erschüttert. Diskussionen, das Bargeld abzuschaffen, über den 500 Euro-Schein oder über das Helikoptergeld tragen nicht zur Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank bei.
England tritt aus der EU aus. Gründe sind der Zentralismus und Dirigismus, die Unzufriedenheit der Schotten und Nordiren mit England und die Unzufriedenheit der Engländer mit der EU. Zentralismus und Dirigismus sind der falsche Weg, um die Ziele eine leistungsfähige und stabile Gemeinschaft bei den Banken zu erreichen. Die Entscheidung in England soll ein Weckruf sein für Europa. Man darf keinen Zentralismus überstülpen, sondern den Bürgern die Nation als Heimat belassen.
Aber auch unsere Politiker in Berlin sind wieder einmal weit über das Ziel hinausgeschossen bei der Gesetzgebung.
Die Zeiten für Immobilienfinanzierungen sind aufgrund der niedrigen Zinsen günstig wie nie. Die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie zwingt seit März 2016 Banken zu einer restriktiven Kreditvergabe. Früher haben die Banken zwei Dinge geprüft: Die Person, die einen Kredit wollte und das Objekt. Jetzt ist nur mehr die Höhe des Einkommens und des frei verfügbaren Vermögens ausschlaggebend. Für wen bringt dies Nachteile?
Für die Baubranche, wenn weniger gebaut wird, für Ältere und Rentner bei geringer Rente, selbst wenn Immobilienbesitz vorhanden ist, junge Familien, junge Doppelverdiener, die Nachwuchs bekommen, Arbeitnehmer mit befristeten Arbeitsverträgen, Selbständige und Landwirte.
Die zunehmende Digitalisierung sieht die Bank als Chance für eine noch engere Kundenbindung. Individuelle Beratung kann aber Internet nicht ersetzen! Die Kundenpräferenzen verändern sich – Kunden kommen nicht mehr so oft in die Geschäftsstelle. Die größte und meistfrequentierte Filiale wird in Zukunft die Online-Filiale sein. Wir setzen auf den Omnikanalansatz, das heißt, die Kunden entscheiden anlassbezogen über den für ihn geeigneten Kommunikationsweg, um mit uns in Kontakt zu treten…Dabei ist die Verzahnung von Internet und Filialen ein wichtiger Eckpfeiler unserer künftigen Geschäftspolitik.“
Abschließend stellte Vorstandsvorsitzender Alois Atzinger fest: „Unsere Organisation hat Weltkriege überstanden. Ziel und Aufgabe ist es, so zu wirtschaften, dass wir Durststrecken überstehen und mit Vollgas für die Region da sind.
Wir sind stolz auf den Abschluss des Jahres 2015, wir sind gemeinsam auf einem guten Weg, wir kennen die Herausforderungen der Zukunft und stellen uns darauf ein, wir werden nicht alleine nach Größe streben, wir wollen unsere Bank so aufstellen, dass wir auch in Zukunft der Partner auf Augenhöhe sind, wir können nicht sagen, was die Zukunft bringt – darauf haben wir nur geringen Einfluss – aber wir sind bestens vorbereitet und auf dem aktuellen Stand!“
Direktor Helmut Scheibenzuber konnte anschließend den Vertretern ein zufriedenstellendes Jahresergebnis 2015 vorstellen:

9061 Mitglieder gehören Ende 2015 der Genossenschaft an. Die Kunden werden in 7 Geschäftsstellen von insgesamt 88 Beschäftigten betreut. Das Nettokreditvolumen lag zum Jahresende bei 228 Millionen Euro. Der Bestand an eigenen Wertpapieren ist auf 115 Millionen Euro angewachsen. Die Beteiligungen betrugen zum Jahresende 2,8 Millionen Euro.
Die Sachanlagen weisen einen Buchwert von 4,8 Millionen Euro auf. Dabei machten die Investitionen im Jahr 2015 rund 308.000 Euro aus.
Die Kundeneinlagen haben sich sehr erfreulich entwickelt: sie kletterten um 9,5 Millionen Euro auf knapp 300 Millionen Euro, das ist ein Plus von 3,3%. Die Kunden setzten auch 2015 wieder hauptsächlich auf kurzfristige Anlagen. Die Risikolage im Kreditgeschäft ist lt. Direktor Scheibenzuber weiterhin entspannt – das Bewertungsergebnis ist sowohl bei den Kundenkrediten als auch bei den eigenen Wertpapieren positiv.

Das bilanzielle Eigenkapital ist ein weiteres Mal zweistellig gewachsen (+ 10,5 %) und liegt nun bei 38,2 Millionen Euro. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen können damit jederzeit erfüllt werden.
Die Bilanzsumme ist um 3,7 Millionen Euro, bzw. 1,0 %, gewachsen und betrug zum Jahresende 393 Millionen Euro. Das betreute Kundenvolumen – die Verbundpartner mit eingerechnet – liegt bei insgesamt 765 Millionen Euro.
Auch das Betriebsergebnis sei wiederum sehr zufriedenstellend ausgefallen, so Scheibenzuber. Die Genossenschaft liege damit weiterhin deutlich über dem bayerischen Landesdurchschnitt. Allerdings schlügen sich das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie die hohe Kostenbelastung infolge der vielen Regulierungsvorschriften zunehmend in der Erfolgsrechnung nieder, und so sei in den nächsten Jahren mit spürbar niedrigeren Ergebnissen zu rechnen.
Nach Zuführungen zu den Vorsorgereserven betrug der Bilanzgewinn 1,3 Millionen Euro. Die Vermögens- und Ertragslage der Bank wurde im Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbandes erneut mit „gut“ beurteilt.
An Steuern wurden insgesamt rund 1,3 Millionen Euro bezahlt, davon 564 000 Euro Gewerbesteuern an die heimischen Kommunen.
Über ein positives Ergebnis konnte Scheibenzuber auch aus dem Warengeschäft berichten. Hier wurde an den drei Standorten bei einem Umsatz von 7,9 Millionen Euro ein Bilanzgewinn von 12 000 Euro erwirtschaftet.
Den Bericht für den Aufsichtsrat über seine Tätigkeit einschließlich der Prüfung des Jahresabschlusses erstattete Aufsichtsratsvorsitzender Franz Brunner.
Die Feststellung des Jahresabschlusses und der Beschluss über die Verwendung des Jahresüberschusses erfolgten einstimmig. Beschlossen wurde eine Dividende auf die Geschäftsguthaben in Höhe von 3 %, das sind 194.129 Euro. Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wurde ebenfalls einstimmig erteilt.
Oberrevisor Rudolf Goldbrunner vom Genossenschaftsverband Bayern leitete die Wahlen zum Aufsichtsrat. Turnusgemäß schieden aus: Franz Brunner, Waldkirchen, Josef Scholler, Röhrnbach und Robert Maier, Schönberg. Alle drei Kandidaten wurden von der Versammlung wieder in den Aufsichtsrat gewählt.

(Bild: v.l. die Bankdirektoren Alois Atzinger und Helmut Scheibenzuber, Oberrevisor Rudolf Goldbrunner, Prokurist Kurt Gampe, Aufsichtsratsvorsitzender Franz Brunner sowie die Aufsichtsräte Josef Scholler und Robert Maier wurden im Amt  bestätigt.)

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