Das Arbeitszimmer des Dichters Hans Carossa befindet sich nun wieder in der Stadt Passau. Ab sofort können die Erinnerungsstücke an den früheren Arzt und Kulturschaffenden in der Europabücherei betrachtet werden. Oberbürgermeister Jürgen Dupper hat gemeinsam mit Kulturreferent Dr. Max Brunner und Europabüchereileiter Uwe Kollmorgen das Zimmer besichtigt.

Das Arbeitszimmer von Hans Carossa besteht aus den Originalmöbelstücken sowie aus seinem, aus rund 1.000 Bänden bestehenden, Bücherbestand. Darüber hinaus erwecken auch Alltagsgegenstände wie z.B. Fotos von ihm selbst, Ehrenzeichen, die Nickelbrille von Großvater Karl Carossa, Gläser, Vasen, Briefwaage und Taschenuhr den Eindruck, als hätte Hans Carossa erst kürzlich seinen Schreibtisch verlassen. Eine Originalzeichnung von Alfred Kubin, welche die erste Ehefrau des Dichters, Valerie Carossa, zeigt, bereichert die Erinnerungsstücke um ein Weiteres.

Die Stadt Passau erwarb im März 1989 den sogenannten „Seestettener Nachlass“, der sich bis dahin im Besitz der Schwiegertochter von Hans Carossa, Helene Carossa, Witwe von Hans Wilhelm Carossa (1906-1968), befand.

Die Absicht, in Passau eine Carossa-Gedenkstätte einzurichten ließ sich zum damaligen Zeitpunkt nicht verwirklichen. Durch die Zusammenarbeit der Städte Passau und Vilshofen konnte ab 2. Januar 2008 im Vilshofener Rathaus das Carossa-Zimmer gezeigt werden. Diese Leihgabe kehrte nun wieder in die Stadt Passau zurück.

Hans Carossa wurde am 15.12.1878 in Königsdorf bei Bad Tölz als Sohn des Medizinstudenten Karl Carossa und der Lehrerin Maria Voggenreiter, geboren. Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Landshut studierte auch er Medizin in München und Würzburg. Mit der Promotion zum Doktor schloss er dieses Studium 1905 in Leipzig ab, übernahm die von seinem Vater 1903 in Passau eröffnete Praxis und führte sie rund 10 Jahre.

Nach dem ersten Weltkrieg, wo er als Militärarzt an der Ost- und Westfront im Einsatz war, kehrte er wieder zurück und wohnte zunächst in Seestetten, dann in Passau-Rittsteig, wo er letztlich auch am 12. September 1956 verstarb.
Nach eigenem Bekenntnis war Passau seine liebste Stadt, die der Dichter-Arzt in all seinen Werken vor aller Welt besungen hat.

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