Führungskräfte des Bezirks berichten über Erlebnisse beim Projekt Rollenwechsel Mainkofen

Mainkofen. Die Perspektive zu ändern, bringt nicht nur neue Erkenntnisse mit sich, sondern auch mehr Verständnis und Sensibilität für den anderen – und manchmal sogar konkrete Ideen für den eigenen Beruf und seine Herausforderungen.

So erging es Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, nachdem er im Rahmen des Projekts „Rollenwechsel“ einen Tag auf einer Station für Erwachsenenpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Passau verbracht hatte. „Wir haben festgelegt, dass parallel zu den Planungen für den Neubau auch ein Personalentwicklungskonzept gemacht wird, das unter anderem die Erreichbarkeit mit öffentlichem Nahverkehr sowie Wohnraum für die künftigen Mitarbeiter miteinbezieht.“

Er und weitere Führungskräfte des Bezirks berichteten bei einer Pressekonferenz in Mainkofen über ihre Erfahrungen beim „Rollenwechsel“, der im vergangenen Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. „Wir wollten, dass es nicht um PR geht, sondern die Teilnehmer wirklich Zeit zum Hinhören und Zuschauen haben“, erklärte die Pressesprecherin des Bezirks, Christine Hochreiter, die das Projekt initiiert hatte.

Neben Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich, für den die Einblicke in den Klinikalltag sehr „gewinnbringend“ waren, erzählte auch Bezirktagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl von „beeindruckenden Erkenntnissen“, welch spezielle Therapieformen es am Bezirksklinikum Mainkofen gebe und mit welcher menschlichen Nähe und Fürsorge hier gearbeitet werde.

Maria Schmidtke, die Personalchefin des Bezirks, war von ihrem Tag in der gerontopsychologischen Abteilung in Mainkofen tief bewegt. Mit weißem Kittel teilte sie Mahlzeiten „in einer völlig anderen Welt“ aus, fuhr einen Patienten im Rollstuhl spazieren und „hörte einfach nur zu“. Sie war sehr beeindruckt von den Mitarbeitern, darunter auch ganz junge Praktikanten, und ihrer Begeisterung für den Pflegeberuf. Sie habe gelernt, dass gerade in Sachen Personalentwicklung der Blick über den Tellerrand wichtig sei und Mitarbeiter auch öfter mal andere Stationen kennenlernen sollten.

Thomas Klaus, der Kämmerer des Bezirks, wechselte die „trockenen Zahlen“, mit denen er sonst zu tun hat, gegen eine „flüssigere Tätigkeit“ und nahm mit Mitarbeitern der Fachberatung für Fischerei an einer Fischbestandserhebung auf der Ilm bei Neustadt an der Donau teil. Lebhaft erzählte er den Medienvertretern, wie das Boot fast gekentert wäre und wie sehr sich alle am Ende gefreut hätten, dass in diesem renaturierten Flussbereich wieder 25 Fischarten vorkämen, während es sonst im Vergleich nur zehn bis 15 seien. „Wenn ich in Zukunft eine Rechnung über einen Außenbordmotor auf dem Tisch habe, dann weiß ich viel besser als vorher, wofür der gebraucht wird und wie sinnvoll die Arbeit der Fischereifachberatung ist“, schloss der Kämmerer.

Die Pressereferentin Christine Hochreiter war in der Sozialverwaltung und hob die Leistung der 180 Mitarbeiter in fünf Referaten hervor, die in 2019 insgesamt 30.000 Fälle behandelt hätten. „Hinter jedem Fall stehen persönliche Schicksale und ich war beeindruckt von dem Spagat, den die Mitarbeiter täglich leisten müssen.“ Die soziale Sicherung macht knapp 90 Prozent des Bezirkshaushaltes aus und – was viele nicht wüssten – auch die Pflegesätze für 200 Seniorenheime in Niederbayern werden mit der Bezirkssozialverwaltung ausgehandelt.

Deren Chefin, Irmgard Kaltenstadler, verbrachte einen Tag am Institut für Hören und Sprache in Straubing und war ganz überrascht von der vielfältigen Art des Unterrichtens. Sie konnte verschiedene Klassen und Altersstufen kennenlernen, die am IfH jeweils ganz unterschiedlich gefördert werden. „In einer Klasse wurde mit Gebärdensprache unterrichtet, das war hochinteressant“, so Kaltenstadler. Ihr habe es zu denken gegeben, dass man eine Sache immer von zwei Seiten betrachten sollte. „Wir haben bei der Umsetzung gesetzlicher Vorschriften keinen großen Gestaltungsspielraum und stehen auf der Seite des Kostenträgers. Dennoch muss man auch den Betroffenen sehen, diesen Denkansatz zulassen und in seiner Entscheidung berücksichtigen.“

Bezirksheimatpfleger, Dr. Maximilian Seefelder, hatte zur Pressekonferenz einen Apfel aus dem Lehr- und Beispielbetrieb für Obstbau Deutenkofen mitgebracht – einen „Kulturapfel“, wie er betonte. Der Obstanbau habe unsere Kulturlandschaft geprägt und nachdem er für einen „weiten

Kulturbegriff“ stehe, habe er seinen „Seitenwechsel“ gern in Deutenkofen absolviert. Neben der perfekten Lagerung konnte er auch viel über die Brennanlage und Abfüllanlage lernen und darüber, wie viel Arbeit es bedeute, 20 Hektar zu bewirtschaften, auf denen 14 verschiedene Obstkulturen und allein 300 Apfelsorten wachsen. Der Leiter des Bezirkskulturreferates wolle künftig noch mehr die Kulturlandschaft in den heimatpflegerischen Fokus rücken.

Zuletzt war es an Christian Fenzl, dem stellvertretenden Leiter des Bezirksklinikums Mainkofen, rückzumelden, wie denn die Mitarbeiter selbst den Rollenwechsel erlebt haben. „Alle warten eigentlich nur darauf, dass wieder jemand kommt“, fasste er die positive Resonanz zusammen. Die Beteiligten waren anfangs teils skeptisch wie sich die Führungskräfte einfügen würden. „Doch alle haben mir gesagt, dass man sich mit großem Respekt, auf Augenhöhe und mit ernsthaftem Interesse an der Sache begegnet sei.“ Von Seiten der Belegschaft spreche alles für eine baldige Wiederholung. Und wie der Reaktion der Bezirksvertreter zu entnehmen war, steht dem wohl nichts im Wege.

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