„Der Haushalt 2020 ist geprägt von signifikanten Kürzungen im Bau und Entnahmen aus den Rücklagen“, bilanziert Finanzdirektor Sonnleitner. „Finanzpolitik und Neuevangelisierung gehen Hand in Hand.“

Passau: „Trotz deutlicher Kürzungen im diözesanen Baubereich ist ein ausgeglichener Haushalt für das Jahr 2020 nur mit einer Entnahme aus den Rücklagen darstellbar“, so Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner im Rahmen der Vorstellung der diesjährigen Plan Gewinn- und Verlustrechnung des Bistums Passau. Demnach rechnet der Finanzexperte mit betrieblichen Erträgen in Höhe von knapp 133 Millionen Euro, rund 108 Millionen davon werden aus der den Einnahmen der Kirchensteuer bestritten. Die betrieblichen Ausgaben belaufen sich auf rund 139 Millionen Euro. Des Weiteren führt Sonnleitner aus, dass aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, mittelfristig unsicheren Aktienperspektiven sowie etwas rückläufigen Erträgen aus Immobilienfonds auch heuer ein Rückgang im Finanzergebnis zu erwarten ist. Es beläuft sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Das Gesamtergebnis wird zudem durch die steigenden Rückstellungen für Pensionen und Beihilfen belastet. In Summe wird das Haushaltsdefizit mit einer Rücklagenentnahme in Höhe von rund 5,4 Millionen Euro ausgeglichen.

Rücklagenentnahme deutlich gesunken – Bauhaushalt im Fokus

„Im Jahr 2019 wurde ein Fehlbetrag in Höhe von rund 16,9 Millionen Euro ausgeglichen. Das Bistum hat die langfristige Entwicklung mit dann sinkenden Kirchensteuereinnahmen bedingt durch hohe Austrittszahlen gut im Blick und wir werden dann mit entsprechenden Maßnahmen reagieren“, so Sonnleitner weiter. Demnach zeichnet sich der „Haushalt 2020“ vor allem durch ein signifikantes Herunterfahren des Bauhaushaltes aus, denn „für dieses Haushaltsjahr rechnen wir erstmals mit dem seit längerem prognostizierten Ende des Anstiegs der Kirchensteuereinnahmen“, so der Finanzexperte. Einsparungspotential liege vor allem im Baubereich. „Wir müssen verstärkt bei allen Projekten die Sinn- und Nutzungsfrage stellen, mit Blick auf die Verantwortung der Kirchensteuermittel“, so Sonnleitner. „Dann darf es eben bei einer Kapelle oder Nebenkirche nicht das Paket der Generalsanierung sein, sondern einfach ‚nur‘ eine Bestandssicherung.“ „Allein auf Ebene der Kirchenstiftungen sind es rund 130 Bauprojekte, die in diesem Haushaltsjahr zu bewältigen sind. Das ist durchschnittlich ein Projekt in jeder dritten Pfarrei. Wir haben in den letzten Jahren in den Pfarreien ein großes Tempo gefahren, hier müssen wir einen Gang runterschalten, gerade was Filial- und Nebenkirchen angeht. Wir wissen, dass die Erwartungshaltung vor Ort groß ist und den Menschen ihre Kirche wichtig ist“, so Sonnleitner. Auch Bischof Stefan Oster ruft mit Blick auf die hohen Bauhaushalte der letzten Jahre zur Sensibilisierung auf. „Wir brauchen unsere Kirchen und wir wollen sie erhalten. Wir müssen aber auch Maß halten. Unsere Kirche lebt nicht von Steinen, sondern durch das Wirken Jesu und der Menschen, die sich von seiner Botschaft berühren lassen“, betont Oster. „Diese Menschen sind die tragenden Steine unserer Kirche und daher muss unsere Finanzpolitik in erster Linie zum Wohle der Menschen ausgerichtet sein.“ Er sei sehr froh darüber, dass die Kirchen und deren Erhalt den Menschen im Bistum Passau ein sehr hohes Anliegen sind. „Das ist längst nicht mehr überall so und daher bin ich den Gläubigen sehr dankbar, dass sie Vieles zum Erhalt der Kirchen vor Ort in unglaublicher Kraft und viel ehrenamtlichem Engagement stemmen.“

„Neuakzentuierung des Finanzmitteleinsatzes“ – Einsparungen zugunsten der Pastoral

Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner spricht von einer Neuakzentuierung des Finanzmitteleinsatzes. Dies bedeute eine „Konsolidierung und gezielte Ausrichtung, die wir seit mehreren Jahren verfolgen und die aber auch die Zielsetzung hat, Einsparungen in bestimmten Bereichen zu realisieren, damit ein ausgeglichener Haushalt dargestellt werden kann“. „Die Finanzpolitik des Bistums und die pastorale Ausrichtung unseres 2014 eingeläuteten Veränderungsprozesses gehen Hand in Hand“, so Sonnleitner. Die Strukturen wurden mit dem Aufbau der flächendeckenden Verwaltungszentren, die mit einem Personalaufbau verbunden waren, geschaffen. Nun stehe die Pastoral und entsprechende Maßnahmen der Neuevangelisierung im Vordergrund. Die Investitionen in Kirchen und Gebäude sind genauso dem Ziel der Neuevangelisierung untergeordnet wie viele andere pastorale Projekte im Bistum. „Die Zahlen des Kirchenbesuchs zeigen uns, dass Menschen längst nicht mehr automatisch in die Kirche gehen. Sie bleiben fern, weil sie sich mehr und mehr entfremden, dennoch bleiben sie Suchende, denen wir eine geistliche Heimat bieten wollen.“

Die Plan Gewinn- und Verlustrechnung 2020 wurde vom Diözesansteuerausschuss geprüft und genehmigt. Weitere Informationen zu den Finanzen im Bistum Passau finden Sie unter www.bistum-passau.de.

Die Zahlen im Überblick:
Für 2020 muss die Diözese voraussichtlich 5,4 Mio € an Rücklagen entnehmen.

Insgesamt erhalten wir von den Kirchensteuerzahlern 108,6 Mio. Euro (81,6 % der betrieblichen Erträge). Vergütungen für Leistungen, welche die Kirche für den Staat erbringt, erwartet das Bistum in Höhe von 11,5 Mio. Euro (8,7 %). Weitere 12,4 Mio. Euro (9,3 %) sind Pfründe-, Miet-, und sonstige Erträge bzw. Umsatzerlöse der Bildungshäuser, des Bistumsblattes und des Domladens.
Dazu kommt der Zuschuss finanzstärkerer Bistümer in Höhe von 0,5 Mio. Euro (0,4 %), der strukturelle und regionale Unterschiede ausgleichen soll. Der gesamte Betriebsertrag beläuft sich auf 133,0 Mio. Euro.

Die betrieblichen Aufwendungen in Höhe von 139,7 Mio. entfallen auf die zentralen Bereiche Seelsorge 46,9 Mio. Euro (33,6 %), soziale Dienste 11,4 Mio. Euro (8,2 %) und kategoriale Seelsorge – wie Jugendarbeit, Familienpastoral oder Krisenseelsorge – 13,1 Mio. Euro (9,4 %). In den Bereich Schule, Bildung und Kunst fließen 19,9 Mio. Euro (14,2 %). Weltkirchliche und überdiözesane Projekte unterstützen wir mit 5,2 Mio. Euro (3,7 %). 26,6 Mio. Euro (19,0 %) wendet die Diözese für alle zentralen Einrichtungen auf. Für den Unterhalt zentraler Stiftungsgebäude sowie sonstiger wesentlicher Verpflichtungen der Diözese und eine ausreichende Deckungsreserve sind insgesamt 16,6 Mio. Euro (11,9 %) veranschlagt.

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