IHK-Umfrage: Erwartungen hellen sich zwar auf, bleiben aber abwartend

Die niederbayerische Wirtschaft ist vergleichsweise gut ins neue Jahr gestartet. Der Abwärtstrend, der sich zuvor durch vier Umfragen hintereinander gezogen hatte, ist vorerst gestoppt. Deutlich zeigt das der „IHK-Konjunkturklimaindikator“, für den Lagebeurteilung und Erwartungen der Unternehmen miteinander verrechnet werden: Der Klimaindikator legt nun erstmals wieder zu. Die Betriebe aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Tourismus blicken vorsichtig optimistisch auf das Jahr 2020. „Die Aussichten haben sich etwas aufgehellt, das ist eine gute Nachricht. Die Spitzenwerte aus den vergangenen Jahren bleiben derzeit aber unerreichbar“, kommentiert Martin Frank, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, die Umfrageergebnisse.

Die Geschäftslage bewerten die Unternehmer ähnlich wie noch im Herbst 2019. In Zahlen: 55 Prozent beurteilen diese als gut, 40 Prozent als befriedigend und fünf Prozent als schlecht. Mit einem Anteil von 95 Prozent sind nahezu alle Betriebe voll oder befriedigend ausgelastet. Verantwortlich dafür ist weiterhin die Inlandsnachfrage als wichtiger Impulsgeber. Besonders die Bauwirtschaft und die Dienstleistungsbranche können davon profitieren. Im Vergleich dazu kommt das Exportgeschäft auch zu Jahresbeginn nicht richtig in Schwung: 30 Prozent der Befragten berichten von rückläufigen Aufträgen aus dem Ausland.

„Ein spürbares Wachstum ist auch für 2020 nicht in Sicht“, prognostiziert Frank. Mit einer besseren Geschäftslage rechnet jeder Fünfte, 15 Prozent gehen von einer Verschlechterung im laufenden Jahr aus. „Abwartend zeigt sich die Wirtschaft ebenfalls bei den Personalplänen, ein wesentlicher Aufbau der Beschäftigung ist wohl nicht zu erwarten“, berichtet Frank. Mit 65 Prozent plant der größere Teil der Betriebe keine Veränderungen bei der Beschäftigtenzahl. Die Unternehmen, die mehr einstellen möchten, halten sich mit denjenigen die Waage, die Stellen abbauen müssen. Der Investitionsmotor läuft gleichzeitig nur mit angezogener Handbremse. 28 Prozent möchten mehr Geld in Anlagen und Gebäude stecken, 17 Prozent wollen die Investitionen hingegen zurückfahren.

„Zahlreiche Faktoren sorgen für Verunsicherung und Zurückhaltung in der Wirtschaft“, berichtet Frank. Der Transformationsprozess in der für Niederbayern so wichtigen Automobilbranche spiele hier eine wichtige Rolle. Zwei Drittel der Betriebe sehen in der strukturellen und konjunkturellen Entwicklung im Fahrzeugbau ein Risiko für ihre weitere Entwicklung – Tendenz steigend. Der Fachkräftemangel hat trotz der schwächeren Konjunktur nur wenig an Brisanz verloren: 60 Prozent der Betriebe klagen über zu wenig Fachkräfte. „Zu hoffen ist jetzt, dass der Brexit nicht noch mehr Verunsicherung mit sich bringt“, meint Frank und ergänzt: „Zudem stimmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht. Jeder zweite Betrieb sieht darin ein Geschäftsrisiko. Die bürokratischen Belastungen sind hoch, die Genehmigungsverfahren langwierig und von der Energie- und Klimapolitik kommen immer höhere Auflagen, die zu Kostensteigerungen führen. Hier ist ein wachsender Unmut der Unternehmen mit der Politik zu spüren. Die Wirtschaft erwartet daher eine klare Weichenstellung in die richtige Richtung.“ Die Unstimmigkeiten in der Großen Koalition hemmen wichtige wirtschaftsrelevante Reformen, auch das zeigt die IHK-Umfrage: 45 Prozent der Befragten beklagen eine politische Instabilität in Deutschland.

(Grafik: IHK)

In die Konjunkturberichte der IHK Niederbayern fließen dreimal im Jahr die Einschätzungen von 450 regionalen Betrieben zu Wirtschaftslage und -erwartungen ein. Die befragten Unternehmen stellen eine repräsentative Auswahl aus den über 81.000 Mitgliedsbetrieben der IHK Niederbayern dar und kommen aus allen Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen. Der detaillierte Konjunkturbericht samt einer Auswertung nach einzelnen Branchen ist interaktiv aufbereitet im IHK-Internetauftritt verfügbar: www.ihk-niederbayern.de/konjunktur