Karikaturist Peter Butschkow mit seiner Cartoon-Comedy-Show im Weiherhaus Theater

Ortenburg. Man stelle sich folgendes Bild vor: Mitten in der Passauer Fußgängerzone tummeln sich lauter mit ihren Smartphones beschäftigte Pokémon-Jäger. Ein politischer Informationsstand bleibt seltsam unbeachtet. Auf dessen Sonnenschirm steht „Revolution“ zu lesen, doch sagt einer der beiden Flugblätter verteilenden Campaigner zum anderen: „Komm, lass uns einpacken!“ Fraß früher einmal „die Revolution ihre Kinder“, strafen diese sie heute mit Desinteresse. Wer steckt hier eigentlich wen in den Sack? Die politischen Agitoren ihre Zuhörer? Die Monsterjäger ihre Beute? Oder ein unsichtbares, längst fälliges System alle vorab Genannten?

Passau ist die zweite Heimat des Karikaturisten Peter Butschkow. Und ihm geht so manches durch den Kopf, wenn er nur Alltagsphrasen wie „Basst scho!“ hört… (Foto: Schmidt)

Der Karikaturist Peter Butschkow beobachtete diese Szene und warf sie mit seinem, seit 1980 aus Zeitschriften, von Kalendern und zahlreichen Buchveröffentlichungen wohlbekannten schnellen, immer erst auf den zweiten oder dritten Blick giftelnden Strich aufs Papier. Ja, wo ist sie hin, die Protestkultur in diesem Land? Muss ja nicht gleich so destruktiv sein, wie vor 50 Jahren in den 1960ern, als Butschkow aus ungewöhnlicher Perspektive den Fans der Rolling Stones zusahen, wie sie aus der Berliner Waldbühne Kleinholz machten. Butschkow saß am Schlagzeug der Vorband. Aber so ein kleines bisschen Widerspruchsgeist? Beim Deutschen Karikaturenpreis 2017 brachte ihm aber just oben beschriebene Karikatur den zweiten Platz ein. Unerwartet, er selbst hatte auf einen Cartoon zum VW-Abgasskandal gesetzt. In Berlin aufgewachsen, lebt Butschkow heute in Nordfriesland und nahe Passau. Weil man die Menschheit überall beobachten kann, und… …weil im Ortenburger Weiher, an dem das Weiherhaus-Theater seines Jugendfreundes Frieder Kahlert steht, im Sommer einfach gut schwimmen ist. Einmal im Jahr schaut er dort für eine Cartoon-Comedy-Show vorbei. Weg vom Zeichenbrett und die Leute mittels Beamer-Projektion, Stift und launigen Geschichten zum Lachen gebracht. Das bietet Gelegenheit zu erfahren, wie viel Sorgfalt, Beobachtungsgabe und lustvolles Verdrehen der Zeitläufte hinter dem „schnellen, giftelnden Strich“ stecken.

Am Samstag, 29. September ist es wieder soweit. Der um 19.30 beginnende Abend steht unter dem Motto „all inclusive“. Karten zu 15,- Euro/12,- Euro für Schüler und Studenten sind unter Tel. 08542 9699775 oder info@theater-maskara.de beim Weiherhaus Theater Ortenburg, Kamm 15c, 94496 Ortenburg reservierbar.