Interview mit Patrick Peindl

Bettina Blöhm aus Schlinding (Thurmansbang) ist Kandidatin für den Bayerischen Landtag 2018 und kann auf ein Wahlkampfteam zählen, das sie auf diesem Weg bis zum 14. Oktober begleitet. Zu diesem Team gehört auch ihr Lebenspartner Patrick Peindl.

NW: Auf ein Wort, Patrick. Du unterstützt Bettina Blöhm nicht nur in ihrem jetzigen Wahlkampf für die Landtagswahlen 2018 in Bayern, sondern du bist darüber hinaus schon seit vielen Jahren ihr treuer Wegbegleiter und Lebenspartner. Erzähl mal, wie habt ihr euch kennengelernt?

Patrick Peindl (PP): Das ist schnell erzählt. Ich ging damals – also vor über 15 Jahren – noch zur Schule und habe Bettina an der Agip in Grafenau kennengelernt, wo sie neben ihrem Studium gejobt hatte. Sie hat mir gefallen und ich ihr scheinbar auch. Die Anlässe, weshalb ich schnell zur Tanke fuhr, wurden immer fadenscheiniger. Eine Zeit lang später haben wir uns auch mal außerhalb der Tankstelle getroffen und so hat sich das dann einfach entwickelt.

NW: Genauso wie Bettina bist du Mitglied der SPD – dein (politisches) Zuhause. Wann bist du in diese Partei eingetreten und aus welchen Gründen?

PP: Für das genaue Jahr müsste ich nachschauen, aber ich schätze mal, dass das so etwa fünf Jahre her ist. Damals hatte Hilde Greiner genau am politischen Aschermittwoch Geburtstag. Wer die Hilde kennt, der weiß, dass man so einem Menschen grundsätzlich nur schwer etwas abschlagen kann, erst recht nicht, wenn sie Geburtstag hat. Was die politischen Überzeugungen angeht, so war es eh höchste Zeit, dass ich mir die rote Socken anziehe. Da gab es nichts zu überlegen für mich. Ein großes „Sozi-Vorbild“ gab es dagegen nicht, es waren einfach die Leute aus den Ortsvereinen, mit denen ich bereits vor meinem Beitritt Kontakt hatte.

NW: Hinter jeder Frau steht auch ein starker Mann. Wie siehst du das?

PP: Eigentlich lautet das ja andersrum. Ich glaube, die starken Frauen der Geschichte hatten eher weniger einen starken Mann im Hintergrund, sondern mussten sich allein durchschlagen. Wenn du damit meinst, ob es mir was ausmacht, dass bei uns die Rollen quasi vertauscht sind, dann ganz klar: nein. Ich bin sowieso keiner, der nach vorne will. Ich bin eher so der Typ, der froh ist, wenn er mal seine Ruhe hat. Ob das Dasein im Hintergrund auch eine gewisse Stärke erfordert weiß ich nicht und es ist mir eigentlich auch egal. Jeder macht halt, was er kann, ganz einfach.

NW: Wann hat dich Bettina damit überrascht oder überrumpelt, für den Bayerischen Landtag 2018 kandidieren zu wollen? Oder war das von langer Hand geplant?

PP: Von langer Hand geplant war das sicher nicht. Wie auch? Bettina ist auf ihrem Weg zu dieser Kandidatur durch alle innerparteilichen Hürden gegangen und jetzt ist es eben so. Darüber nachgedacht haben wir natürlich auch schon vorher, das ist ganz klar. Aber wir waren auch so realistisch, einfach mal abzuwarten, wie es sich entwickelt. Wenn mich das „überrascht“ hätte, dann wäre das wohl ein ganz schlechtes Zeichen für unsere Beziehung.

NW: Wenn du mal derzeit nicht als Wahlkampf-Manager für Bettina aktiv bist; welcher Arbeit gehst du nach? Wie war dein beruflicher Werdegang?

PP: Oha! Normal bekommst du auf diese Frage vielleicht eine etwas einfachere Antwort als jetzt gleich von mir. Ich arbeite als Gärtner in der Baumschule von Bettinas Bruder in Schlinding. Dort bin ich vor allem im Außendienst mit meinem Freund und Kollegen unterwegs, lege Gärten an und pflege sie auch. Was meine Ausbildung angeht, so komm ich sozusagen vom anderne Ende der Welt. Ich bin Magister Artium der Philosophie und Soziologie. Ich habe mich intensiv mit Logik und Sprache, aber auch mit empirischer Sozialforschung beschäftigt. In beiden Fächern habe ich damals auch schon als Tutor an der Uni gearbeitet. Irgendwie musste ich mir den Spaß ja finanzieren. Darum hab ich in den Semesterferien auch in der Glashütte in Riedlhütte gejobt, Nachhilfe gegeben und eben die letzten beiden Semester nebenher noch in der Baumschule in Schlinding ausgeholfen. Als ich dann meinen Magister in der Tasche hatte bekam ich doch recht schnell eine Zusage der Firma Goodgames in Hamburg als Game Balancer, sowas wie ein Zahlenfuzzi für Onlinespiele, der den ganzen Kram im Hintergrund berechnet. Auf der anderen Seite stand auch das Angebot der Gärtnerei, mich fest einzustellen, weil es einfach gepasst hat, wie ich dort gearbeitet hatte. Die Entscheidung fiel mir letztlich doch recht einfach, weil ich mich nur entscheiden musste, ob ich meine Qualifikation in Hamburg weit unter Wert verkaufe oder ob ich da bleibe, wo ich daheim bin und durch ehrliche, wenn auch harte Arbeit mein Geld verdiene. Bisher habe ich diese Entscheidung nicht bereut.

NW: In vielerlei Hinsicht hältst du deiner Lebenspartnerin den Rücken frei. Jedenfalls macht das den Eindruck. Ein harmonisch und eingespieltes Team sozusagen. Oder?

PP: Ja. Das ist doch das Mindeste in einer Beziehung, dass man sich unterstützt. Für mich gibt’s da auch keine Grauzone, entweder oder.

NW: Man könnte meinen, du meidest ab und an öffentliche (politische) Veranstaltungen, an denen Bettina Blöhm teilnimmt. Du bist da eher selten anzutreffen. Warum eigentlich?

PP: Wie ich schon gesagt habe, ich bin jemand, der auch mal seine Ruhe braucht. Einfach nur mal für mich sein, daheim meine Arbeit verrichten, mich am Wochenende mal ein Stündchen auf die Couch legen und sinnieren. Außerdem hätte ich gar nicht die Zeit, jemand muss sich ja ums Haus kümmern und wie es bei mir ist, auch um den Garten. Der ist mir sehr wichtig. Vielleicht schadet es auch nicht, wenn wir zwei uns da ein bisschen unterscheiden. Da ergänzen wir uns recht gut, würd ich sogar sagen. Kurz gesagt: ja, ich meide viele Veranstaltungen ganz bewusst.

NW: www.imog.bayern hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

PP: Ja, was soll ich da jetzt sagen? Wir haben in die Vorarbeit bereits eine Menge Zeit investiert. Mit Vorarbeit meine ich in erster Linie, sich über die Richtung bewusst werden. Die Seite selbst, also ihr Aufbau und das, was dort überhaupt angeboten wird, sollte Bettina widerspiegeln. Das hieß für uns dann auch, dass Kommunikation im Vordergrund stehen muss. Bettina ist keine, die einfach so mal was sagt, selbst wenn sie sich sicher ist, dass sie im Recht ist. Erstmal hört sie zu. Wir haben uns auch die Seiten anderer Kandidaten angeschaut und ich weiß ganz ehrlich nicht, ob man einerseits mit Silicon Forrest werben sollte und andererseits mit einer Webseite auftreten kann, die aussieht, als ob man sie vom Discounter für 99 Cent gekauft hätte. Irgendwie passt das nicht so ganz zusammen. Damit war für uns auch klar, dass wir auf das Thema Gestaltung großen Wert legen müssen. Der Rest ist das Ergebnis vieler langer Nächte und gefühlt tausender E-Mails. Zur Verbreitung selbst: Damit hatte ich kaum etwas zu tun. Ich verweigere mich absolut vor Facebook & Co. Dafür reicht mein Nervenkostüm bei weitem nicht aus. Was ich da so alles bei Bettina lese; ich müsste irgendwann doch mal so einen Idioten besuchen und – sagen wir – recht undemokratisch werden. Was ich aber sagen kann: unsere Seite ist fast so gut wie unsere Bettina als Kandidatin, und das merken die Leute auch. Das Wichtigste aber zum Schluss: ohne unseren Nic wären wir ganz sicher nicht dort hingekommen, wo wir jetzt sind. Was der macht hat Hand und Fuß. Und zum Glück waren wir auch bei eigentlich allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen auf einer Linie.

NW: Findest du überhaupt noch die Zeit, deinen eigenen Interessen und Hobbys nachzugehen?

PP: Das muss sich zeigen. Der Wahlkampf hat ja erst begonnen und meine größte Leidenschaft, abgesehen natürlich von Bettina, ist unser Garten. Aber es wird wohl ziemlich eng werden. Nebenbei möchte ich auch noch unser Haus Stück für Stück renovieren. Ich mach mir da jetzt keinen Stress, irgendwie wird das schon klappen. Was ich allerdings schon etwas vermisse ist das Schreiben. Ich habe mir fest vorgenommen, damit wieder anzufangen, sobald der Garten in seiner Grundstruktur mal fertig ist.

NW: Aufgewachsen in Grafenau, dann der Wechsel nach Schlinding (Gemeinde Thurmansbang) Zufrieden?

PP: Ja. Obwohl mich damals meine Vorstellung von Natur eher noch weiter waldeinwärts getrieben hätte, so bin ich hier doch zufrieden. Ich komme mit den Menschen hier gut klar, also auch die aus den Nachbardörfern. Und unser Schlinding ist sogar mir klein genug. Ich kann mir gut vorstellen, hier mein Leben lang zu bleiben. Viele können das wohl nicht von ihrem Zuhause sagen.

NW: Was bedeutet das für dich respektive was würde sich in deinem Leben verändern, würde Bettina am 14. Oktober 2018 in den Landtag gewählt?

PP: Ich wäre natürlich unglaublich stolz auf sie, ganz klar. Es würde sich auch nicht so viel ändern, glaub ich. Sie ist ja jetzt schon ständig unterwegs. Und erleichtert wäre ich, ich würde mir sowas denken wie „Jetzt darf sie endlich das machen, was sie kann“.

NW: Hier ein paar Schlagworte; was fällt dir dazu – spontan – ein?

Heimat
Zeitlang. Das Wort gibt’s im Deutschen einfach nicht. Sehnsucht nach daheim, aber nicht unbedingt Heimweh.

Das JA zur #GroKo
Endlich.

SPD
Arbeiter.

Bettina Blöhm
Meine Liebe.

AfD
Ich bin Demokrat, ich muss mich beherrschen.

Demokratie
Das beste aller Übel.

Bayerischer Wald
Urtümlich, echt.

Natur
Unwiederbringlich.

Europa
Zukunft.

Tiere
Ehrlich.