Energieversorgung im Umbruch – Digitalisierung spielt entscheidende Rolle

Freyung. „Der politisch gewollte Umbau der Energieversorgung in Deutschland führt zu schnellen Veränderungen. Ich spreche von den großen Trends der Digitalisierung und der Demokratisierung der Stromversorgung“, so Reimund Gotzel.

„Wie wird sich der Megatrend der Digitalisierung auf unser Leben auswirken?“ Mit dieser Frage stieg der CSU-Kreisvorsitzende und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich in den ersten Vortragsabend ein, zu dem die Christlich-Soziale Union (CSU) in den Technologie Campus Freyung eingeladen hatte. „Täglich lesen wir das Stichwort „Digitalisierung“ in der Zeitung. Doch was bedeutet es für unsere Arbeitsplätze, wie wird sich unser tägliches Leben verändern? Entstehen aus dieser auch als „vierte industrielle Revolution“ bezeichneten Entwicklung neue Chancen für ländliche Räume wie unseren Landkreis?“, fragte Heinrich.
Niemand könne eine so schnell ablaufende und alle Lebensbereiche betreffende Entwicklung aufhalten. Vielmehr gelte es zu entscheiden, wie sich die Region „an die Spitze der Bewegung setzen und Segel setzen kann, um alle sich bietenden Chancen für die hier lebenden Menschen zu nutzen.“

Mit einem eindringlichen Bild beschrieb Landrat Sebastian Gruber die sichtbare Veränderung durch die Technisierung der Gesellschaft. So habe es bei der Wahl von Papst Benedikt einige Kameras auf dem Petersplatz in Rom gegeben. „Einige Jahre später bei der Wahl von Papst Franziskus war der Platz vor dem Petersdom in Rom voller Smartphones, mit denen gefilmt wurde. Dies macht beispielhaft sichtbar, wie schnell sich das persönliche Leben der Menschen hier verändert“, so Gruber.

Bundestagskandidat Thomas Erndl, MdL Max Gibis, Referent Reimund Gotzel, Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Landrat Sebastian Gruber (Foto: Büro Dr. Olaf Heinrich)

Aus zentral wird dezentral

Sehr engagiert beschrieb der Chef des Bayernwerks die Veränderung der Energieerzeugung in Deutschland.
Mit dem Eintieg in den Ausbau der erneuerbaren Energien wurde mithilfe garantierter Einspeisevergütungen innerhalb weniger Jahre das gesamte System umgebaut. „Über Jahrzehnte gab es zentrale Kraftwerke, von denen das Land versorgt wurde. Mit der Errichtung hunderttausender dezentraler Erzeugungsanlagen wie Windräder, Solaranlagen und Biogasanlagen hat sich die Stromerzeugung regionalisiert und demokratisiert“, so Gotzel. Statt einiger weniger Konzerne speisen heute hundertausende Bürger Strom ihrer Solaranlagen in das Netz ein. Die Menge des transportierten Stroms durch Verteilernetzbetreiber wie das Bayernwerk steige dabei immer weiter an, da in beide Richtungen geliefert werde. „Wenn die Sonne scheint, fließt beispielsweise der Strom von einem Haus in das Netz, nachts beliefern wir dasselbe Haus.“

Große Herausforderung: Netzstabilität

Das Stromnetz des Bayernwerks muss durch den Neubau zahlreicher Anlagen immer weiter aus- und umgebaut werden. Gotzel berichtete, dass rund die Hälfte aller Investitionen seines Unternehmens durch den Neubau von Stromerzeugungsanlagen ausgelöst werden. „An rund 400 Stunden im Jahr können wir über 100 Prozent unseres Stroms regenerativ erzeugen. Über das gesamte Jahr gesehen, sind über 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Durch die hohe Schwankung bei der Einspeisung von regenerativer Energie wird es jedoch immer herausfordernder, das Natz stabil zu halten. Hier kann uns in Zukunft die Digitalisierung helfen“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende. So sei es schon heute möglich, bei Leistungsspitzen einzelne private Kraftwerke abzuschalten. Zusätzlich sei es unbedingt erforderlich, neue Speicherkapazitäten zu schaffen, um Spitzen abfedern zu können.

Digitalisierung in jedem Haushalt

In den nächsten Jahren müssen alle herkömmlichen Stromzähler ausgetauscht und durch digitale Zähler ersetzt werden. Dies hat der Bundesgesetzgeber verbindlich vorgeschrieben. Durch die technische Veränderung durch intelligente Stromzähler, die sogenannten „Smart Meter“, wird es den Netzbetreibern möglich, sehr viel mehr Informationen über die Kunden zu erhalten. „Jedes Elektrogerät, das wir heute kaufen, ist internetfähig und hat eine IP-Adresse. Es wird sicher weniger darum gehen, dass der Kühlschrank seinen Inhalt selber nachbestellt, sondern vielmehr darum, wie wir die Geräte möglichst effizient steuern können und den Strom dann einsetzen, wenn er günstig verfügbar ist, weil zum Beispiel die Sonne scheint und der Wind weht“, so der Energieexperte. So sei es in Zukunft denkbar, dass Stromüberschüsse zum Beispiel durch das Aufheizen von Warmwasser in den Privathaushalten gespeichert werden. Für Kunden und das Unternehmen sei vor allem die Datensicherheit von größter Bedeutung, denn „durch die Smart Meter“ ziehe die Digitalisierung in jeden einzelnen Haushalt ein.

Dezentrale Modelle nehmen zu

Reimund Gotzel konnte berichten, dass sowohl die dezentrale Speicherung von Strom in den einzelnen Haushalten zunehmen werden, als auch der direkte Verbrauch des Stroms, der im privaten Fotovoltaikanlagen erzeugt wird. Das Bayernwerk geht weiterhin davon aus, dass es in wenigen Jahren zu einem sprunghaften Anstieg der Nutzung von Elektroautos kommen werde, und „darauf müssen wir Energieversorger vorbereitet und in der Lage sein, die Fahrzeuge schnell und bequem aufzulade“. Technisch sei diese Entwicklung nur zu bewältigen, wenn das Stromnetz intelligent gesteuert werde und man möglichst viele dezentrale Speicherorte und Erzeugungsanlagen intelligent vernetze. „Die Digitalisierung ist daher unverzichtbar, um auch in Zukunft ein jederzeit stabiles Netz sicherstellen zu können“, unterstrich der Vorstandsvorsitzende.

In einer intensiven Diskussion im Anschluss an den Vortrag ging es unter anderem um Themen wie die Datensicherheit für Privatkunden, die Möglichkeiten für Stromspeicherung im Privathaushalt und um die Fotovoltaikanlagen, die in wenigen Jahren ihren Strom nicht mehr mit einer garantierten Einspeisevergütung ins Netz einspeisen können.
MdL Max Gibis fasste in seinem Schlusswort zusammen: „Die Veränderungen in den letzten Jahren waren genauso einschneidend wie schnell. Daher halte ich es für sehr wichtig, dass sich die Gesellschaft intensiv mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzt – und dazu haben wir heute einen Beitrag geleistet.
Weitere werden mit den zwei Vorträgen von Dr. Markus Wittmann zur „Digitalisierung in der Medizin“ und von Gerhard Witthöft zur „Digitalisierung bei der Deutschen Rentenversicherung“ folgen.“

 

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