Adveniat bestürzt über Morddrohungen gegen kolumbianische Projektpartner

Die Kolumbien-Referentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Monika Lauer Perez, ist bestürzt über die jüngste Gewaltwelle in Kolumbien und fordert die Regierung Duque zum Schutz der Friedensaktivisten auf (Foto: Martin Steffen/Adveniat)

Lateinamerika-Hilfswerk fordert Schutz für Friedensaktivisten

Essen. Die langjährigen kolumbianischen Adveniat-Partner Bischof Rubén Darío Jaramillo von Buenaventura und Padre Rafael Martín Castillo Torres aus Cartagena haben Morddrohungen erhalten. „Wer sich auf die Seite der Opfer und gegen die bewaffneten Gruppen stellt, ist aktuell in Lebensgefahr“, erklärt die Kolumbien-Referentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Monika Lauer Perez. „Sie machen auch vor Kirchenleuten nicht halt!“ Lauer Perez reagiert bestürzt auf die zahlreichen Meldungen von Ermordungen von Friedens- und Menschenrechtsaktivisten und die Morddrohungen, die jede Friedens- und Menschenrechtarbeit behindern. „Unser Adveniat-Partner Padre Rafael Martín Castillo Torres hat mir gestern am Telefon berichtet, dass er seine Arbeit mit traumatisierten Opfern der Gewalt zwischen Guerillas und Paramilitärs in Montes de Maria einstellen und nach Cartagena zurückkehren musste“, sagt die Adveniat-Expertin und fordert: „Präsident Iván Duque muss die Sicherheit der Friedens- und Menschenrechtsaktivisten garantieren und endlich die Umsetzung der Zusagen der kolumbianischen Regierung aus dem Friedensvertrag von 2016 wieder aufnehmen.“

Nach 50 Jahren Krieg und Gewalt ließ 2016 die Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der größten Rebellengruppe des Landes, den Farc, Hoffnungen auf Frieden und Versöhnung aufkeimen. Adveniat unterstützt bereits seit Jahren mit seiner Kampagne „Frieden jetzt!“ die Projektpartner vor Ort. Diese erleben unter dem amtierenden Präsidenten Ivan Duque vermehrt Rückschläge bei ihren Bemühungen um eine Aussöhnung der zerrissenen Gesellschaft. „Padre Rafael Torres hat mit unserer Unterstützung traumatisierte Opfer der jahrzehntelangen Gewalt begleitet“, berichtet Adveniat-Expertin Lauer Perez. „Und mit Bischof Rubén Darío Jaramillo haben wir in die Ausbildung von Jugendlichen zu Mitarbeitern im anstehenden gesellschaftlichen Versöhnungs- und Transformationsprozess investiert. Auch er wird mit dem Tod bedroht, weil er mit seiner Arbeit den Akteuren in die Quere kommt, die von der Gewalt zwischen der ELN-Guerilla, abtrünnigen Farc-Kämpfern und Paramilitärs sowie den Drogengeschäften profitieren.“ In Buenaventura liegt der größte Pazifik-Hafen, der Teil der Kokain-Pipeline sei, erläutert Adveniat-Referentin Monika Lauer-Perez, warum gerade Bischof Jaramillo im Visier bewaffneter Gruppen ist.

„Seit dem vergangenen Jahr gibt es in Buenaventura Drohungen gegen mein Leben von mächtigen Gruppen denen meine Positionen nicht passen“, sagte Bischof Rubén Darío Jaramillo am Dienstag (Ortszeit) dem Portal „El Tiempo“. Immer wieder hat Jaramillo offen Stellung bezogen gegen die mächtigen Drogenkartelle, die bewaffneten Banden, die jüngste Gewaltwelle sowie die Vertreibung der Bevölkerung. „Irgendjemand muss sprechen. Es muss eine Stimme geben für die, die keine Stimme inmitten all dieser Schwierigkeiten haben.“ Erst vor wenigen Tagen hatte die Wahrheitskommission die Regierung des rechtsgerichteten Präsidenten Iván Duque dazu aufgefordert, mit den im Land agierenden bewaffneten Gruppen in einen Dialog zu treten, um den Frieden zu stabilisieren, berichtet die Katholische Nachrichtenagentur. Die Wahrheitskommission sei der Auffassung, dass das Unterlassen von Verhandlungen mit paramilitärischen Gruppen sowie Guerillabanden zu einer Situation führe, die es sehr schwierig mache, den Frieden zu stärken, sagte Kommissionsmitglied und ebenfalls Adveniat-Partner Leyner Palacios. Die von Adveniat mitfinanziert Wahrheitskommission ist eine offizielle Institution, die als Ergebnis des Friedensvertrages mit der ehemaligen Guerilla-Organisation FARC und der Regierung 2016 entstanden war.


Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 1.900 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.