ILS in Passau wickelt 220.000 Notrufe im Jahr ab

Passau/Freyung. Der Landtagsabgeordnete Max Gibis hat der für die Notfallalarmierung im Landkreis Freyung-Grafenau zuständigen Integrierten Leitstelle (ILS) in Passau einen Besuch abgestattet, um sich zu informieren, wo von Seiten der Politik Rahmenbedingungen verbessert werden können. Der Geschäftsleiter des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Passau (ZRF) Dieter Schlegl hatte den Abgeordneten zuvor eingeladen, um ihn über die Arbeit der ILS zu informieren sowie ihn um Unterstützung in der einen oder anderen Thematik zu bitten.

Zusammen mit dem Leiter der Integrierten Leitstelle Sebastian Fehrenbach begrüßte Dieter Schlegl den Abgeordneten Max Gibis in der ILS in Passau und gab ihm einen Überblick über die Einrichtung. „Den Grundstein für die Integrierten Leitstellen in Bayern gab im Jahr 2002 ein Gesetz des Bayerischen Landtags, wonach künftig Feuerwehr und Rettungsdienst unter der gemeinsamen Rufnummer 112 erreicht werden sollen. Im Jahr 2009 fiel dann die Entscheidung, die Integrierte Leitstelle am Standort Passau zu errichten“, erklärte Dieter Schlegl dem Abgeordneten zur Geschichte der ILS in Passau. Seit der Fertigstellung im Jahr 2012 übernimmt die ILS Passau nunmehr die komplette Erstalarmierung des Rettungsdienstes und der Feuerwehr für die Stadt und den Landkreis Passau und für die Landkreise Rottal-Inn und Freyung-Grafenau. „Als Träger der ILS fungiert der ZRF, ein Zweckverband der Stadt Passau sowie der Landkreise Passau, Freyung-Grafenau und Rottal-Inn, der die jährlichen Unterhaltskosten schultert, soweit sie nicht durch den Freistaat Bayern oder die Sozialversicherungsträger für den Rettungsdienstanteil erstattet werden“, so Dieter Schlegl weiter. „Bei den Baukosten in Höhe von rund 5 Mio. Euro für die ILS hat der Freistaat Bayern rund 2 Mio. Euro Förderung beigetragen.“

„Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Struktur des Zweckverbandes hervorragend ist, weil wir unabhängig, unkompliziert und effektiv agieren können“, so Leitstellenleiter Sebastian Fehrenbach. „Wir bekommen rund 220.000 Notrufe im Jahr und wickeln täglich mehrere hundert Einsätze ab, die vom Krankenhaustransport bis hin zu Katastrophenfällen wie etwa beim Hochwasser 2013 reichen.“ Fehrenbach ergänzte noch, dass in solchen Fällen neben den acht Disponenten-Plätzen, die sich in der Leitstelle um die Anliegen der Anrufer kümmern, noch weitere 10 Notfallplätze für solche Katastrophenfälle besetzt werden können. „Damit sichern wir auch in solchen Ausnahmefällen unsere Handlungsfähigkeit und bewahren die Notrufnummer vor einer Überlastung.“

Handlungsbedarf sehen Schlegl und Fehrenbach indessen aber bei der Ausbildung der Disponenten, die die Notrufe entgegen nehmen und sich um die Abwicklung der Einsätze kümmern. „Bisher gibt es kein eigenes Berufsbild Disponent, so dass es auch keine konkrete Ausbildung für diesen Beruf gibt. Dies wird zwar mittelfristig der Fall sein, einfach weil der Bedarf an diesem Berufsbild besteht, aber bis es soweit ist, müssen trotzdem Disponenten ausgebildet werden“, erklärt Sebastian Fehrenbach. „Bis 2016 funktionierte die Ausbildung der Disponenten über Fortbildungen in verschiedenen Modulen, die vielerorts angeboten wurden. Seither werden aber nicht mehr ausreichend Module angeboten, was vor allem hinsichtlich der Überalterung der aktuellen Disponenten ein Problem darstellt“, so Fehrenbach weiter. Auch Dieter Schlegl betonte: „Wir wollen das Berufsbild des Disponenten, aber bis dahin müssen ausreichen Module für die notwendigen Fortbildungen angeboten werden.“ MdL Max Gibis versprach die Thematik im Innenarbeitskreis der CSU im Bayerischen Landtag anzusprechen.

Eine weitere interessante Thematik ist das anstehende „Trust III“-Gutachten, das im August veröffentlicht werden soll. Dabei handelt es sich um eine Evaluierung der momentanen Rettungsdienst- und Krankentransport-Standorte. „Wir werden das Gutachten objektiv bewerten und dann auch die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Aber auch unser Ziel ist es, die Versorgungssituation zu verdichten und die Erreichbarkeit der Bevölkerung in der 12-Minuten- Hilfsfrist noch weiter zu erhöhen“, so Dieter Schlegl. Als letzten Punkt sprach der Leiter des Zweckverbandes noch die Hubschrauberthematik an. „Wir teilen uns einen Rettungshubschrauber mit Österreich, der in Suben stationiert ist. Hier hat sich der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Passau bereits dafür eingesetzt, dass dieser Hubschrauber auch nachts eingesetzt werden kann. Aber dies dürfte jedenfalls derzeit schwierig sein, zumal für Entscheidungen über die dortigen Kapazitäten Österreich zuständig sei und der Freistaat Bayern hierauf keinen Einfluss habe“, so Dieter Schlegl. MdL Max Gibis bedankte sich für die umfangreichen Informationen und versprach, mit der ILS auf kurzem Wege in Kontakt zu bleiben.