Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert armutsfeste Löhne

Lkr. Passau. Die DGB Region Niederbayern kritisiert den umfangreichen Niedriglohnsektor in Bayern und dem Landkreis Passau. Mit 24,3 Prozent betrifft das Niedriglohnrisiko einen erheblichen Anteil der Beschäftigten im Landkreis Passau. In der Stadt Passau liegt das Niedriglohnrisiko bei 16,6 Prozent. Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“ [1], den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

David Tabach, Kreisvorsitzender des DGB Passau hierzu: „Niedriglöhne sind kein Randphänomen. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden. 13.575 Menschen in Niedriglohn in Passau sind genau 13.575 Menschen zu viel mit Niedriglohn.“

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine im Landkreis Passau fast 9.571 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Für die Stadt Passau sind es rund 4.004 Vollzeitarbeitsplätze. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus mit einer Niedriglohnquote von über 46,5 Prozent im Landkreis Passau und 32,0 Prozent in der Stadt Passau. Aber auch im Wirtschaftszweig Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung liegt die Quote im Landkreis Passau bei über 31 Prozent. Die bundesweite Niedriglohnschwelle liegt bei einem Stundenlohn von 11,21 Euro pro Stunde.

„Insgesamt, also Stadt und Landkreis Passau, rund 13.575 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, ergänzt Andreas Schmal, Geschäftsführer des DGB in Niederbayern.

Für den DGB in Passau und Niederbayern ist klar: Es ist dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich abzubauen. Auch die kommunale Ebene muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Zumindest öffentliche Aufträge müssten endlich an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden.

Andreas Schmal hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 % lag, galt dies für nur 8,1 % der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Gute Löhne bedeuten gute Renten. Viel wichtiger aber, gute Löhne bedeutet gutes Leben, Teilhabe und eine weiter wachsende Region.“

Darüber hinaus müssen atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden.

„Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren. Wir brauchen wieder ein Mehr an Guter Arbeit“, so Andreas Schmal abschließend.


[1] Link zum Report: https://bayern.dgb.de/service/broschueren/report-tatort-niedriglohn-2020/++co++ad29dbb0-24b8-11eb-84e5-001a4a160123

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