Postpunk anno 2018. Isolation Berlin mit neuem Album live im Zeughaus

(von Tobias Schmidt)

Kommt alles wieder? Bleibt alles anders? Zum Beispiel motorische Schlagzeugbeats und laute Rhythmusgitarren an nihilistischen Textpassagen wie: „Ich war schon überall, ich hab alles schon erlebt; ich hab alles schon gespürt, es hat zu nichts geführt. Alles was ich kenne, taugt mir nichts. Ich brauche neue, ich brauche neue Ki-ki-ki-Kicks, Ki-ki-ki-Kicks… Mich hat alles kalt gelassen, Mich hat alles schon erregt. Hab an alles schon geglaubt, hab jeden Glauben abgelegt. Alles was ich kenne, taugt mir nichts. Ich brauche neue, ich brauche neue Ki-ki-ki-Kicks, Ki-ki-ki-Kicks…“

Wem die Single „Kicks“ der Berliner Band Isolation Berlin im vergangenen November unterkam, musste unwillkürlich an den deutschen Postpunk, an die „Große Untergangs-Show“ der (Achtung: falsche Orthographie beabsichtigt!) „Genialen Dilletanten“ vom September 1981 in Berlin, an die dunkle Seite der späteren Neuen Deutschen Welle denken. DAF, das (wieder aktive) Duo Deutsch-Amerikanische Freundschaft kommt als Vergleichspunkt in den Sinn. Was in den letzten drei Jahren für Isolation Berlin und Sänger/Textautor Tobias Bamborschke nicht immer so war, ja man war der ewigen – obschon nicht ganz falschen – Ton Steine Scherben-Rio Reiser-Vergleiche langsam leid. Nach einigen EPs war die Band 2016 mit dem vielbeachteten Debütalbum „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ auf den Plan getreten. Im Februar 2018 erschien der Nachfolger „Vergifte Dich“. Ein Ausrufezeichen fehlt zwar im Titel, doch die Aufforderung, die immer knapper bemessene Jugendzeit gehörig an Grenzerfahrungen zu verschwenden, ist unüberhörbar.

Und weil wir älteren Berufsjugendlichen uns immer mehr in Event- und Erlebnissucht ergehen, keine melancholische Unlust dulden, Apathie und Alltag mit dem hässlich-lässlichen deutschen „Langeweile“ belegen, wo doch das gedankenverlorene Nichtstun der französischen „ennui“ ungleich angebrachter wäre… ja, genau deshalb muss diese punkgesättigte Spelunkenmusik eben auch ein wenig großmäulig daher kommen. Eingespielt von einem ehemaligen Schauspielschüler und seinen musikalischen „Spielgesellen“ und dabei gänzlich angstfrei in Sachen Pathos und geschickt zwischen Chanson und Gassenhauer lavierend, wird hier die emotionale Verlorenheit junger Leute im frühen 21. Jahrhundert durchdekliniert. Um poetische Durchschlagskraft verlegen sind Isolation Berlin dabei nicht, hier besingen, benöhlen und beschreien Überlebenskünstler das Leben als Überlebenskunst.

Wütendes Leiden wird hier in Texte gepackt, an denen man sich festhalten will, und die doch von der Haltlosigkeit moderner Großstadtmenschen berichten. Mit Ausnahme der letzten Gerechten am „poetischen Quell“ in der Eckkneipe.

Zu einer solchen machen Isolation Berlin das Passauer Jugendzentrum Zeughaus am Samstag, 21. April auf der „Vergifte Dich“-Tour. Konzertbeginn ist um 19 Uhr; Tickets zu 11,50 Euro sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.isolationberlin-tickets.de erhältlich.