Alljährlich ruft die Deutsche Herzstiftung im Monat November die bundesweiten Herzwochen aus. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung beteiligte sich auch die kardiologische Fachabteilung am Krankenhaus Grafenau an der Aufklärungskampagne zur Volkskrankheit Vorhofflimmern.

Das Thema Vorhofflimmern berührt und ist  wohl auch bei vielen Teilen der Bevölkerung in der Region präsent. Dies verdeutlichte der starke Andrang an Besuchern letzten Sonntag im Grafenauer Krankenhaus. Der Vortragsraum war schlichtweg zu klein. Aus diesem Grund referierte der 42jährige Chefarzt Dr. Werner Kühnel zweimal direkt hintereinander vor jeweils voll besetztem Raum über Vorhofflimmern in Verbindung mit einer koronaren Herzkrankheit und welche Blutverdünnungsmöglichkeiten therapeutisch eingesetzt werden können.

Das hochinteressierte Publikum nutzte im Anschluss an den Vortrag sehr rege die Option und stellte dem erfahrenen Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Allgemeinmedizin – der im Übrigen vor seiner Zeit am Krankenhaus Grafenau sieben Jahre im Klinikum der Barmherzigen Brüder in Regensburg als Oberarzt und davor am Herzzentrum Bad Neustadt langjährig tätig war – viele Fragen.

Auch bestens besucht war der Vortrag von Oberarzt Dr. med. Dejan Vukajlovic, ebenfalls Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie der interventionelle Rhythmologe im Grafenauer Team. Er zeigte in seinem Vortrag die diagnostischen und therapeutischen Optionen von Herzrhythmusstörungen – im Speziellen vor allem beim  Vorhofflimmern – auf. Die beiden Chefärzte Dr. Werner Kühnel und Peter Bomba sind erfreut mit Dr. Vukajlovic so einen erfahrenen interventionellen Rhythmologen im Team zu haben. Seine rhythmologische Expertise erwarb und verfeinerte er im Herzzentrum Bad Krotzingen. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder war er langjährig der Leitende Oberarzt der Abteilung für Herzrhythmusstörungen. Aktuell ist er neben seiner Tätigkeit als Leitender Rhythmologe im Krankenhaus Grafenau auch der Leiter des Instituts für kardiovasculäre Krankheiten in Belgrad.

Im Anschluss daran zeichnete die Oberärztin und Fachärztin für Innere Medizin Dr. Anne Grebner  einen Überblick über Gerinnungshemmer heutzutage. Diese Medikamente senken signifikant das Risiko eines Schlaganfalls (Hauptkomplikation) bei den Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden. Alle momentan auf dem Markt verfügbaren Medikamente unterscheiden sich voneinander in der Aufnahme, Wirkzeit und Elimination aus dem Körper. Es gibt es keine „Patentlösung“.  Im Krankenhaus Grafenau wird für jeden Patienten nach dem entsprechenden Risikoprofil das jeweilige Medikament gewählt.

Zu guter Letzt stellte sich Chefarzt Peter Bomba, Facharzt Innere Medizin und Kardiologie, der Frage ob denn Blutverdünnung bei Vorhofflimmern wirklich sein muss und welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Für Patienten mit einer Kontraindikation für Blutverdünnung oder stattgehabter Blutung unter einer oralen Antikoagulation ist eine erneute Einleitung einer oralen Antikoagulation auch eine psychische Herausforderung. In diesen Fällen kann die Stelle am Herz (Vorhofsohr), in der die schlaganfallbringenden Blutgerinnsel entstehen mit einem Schirmchen (Occluder) verschlossen werden.

Der 45-jährige Chefarzt begann sein Medizinstudium in Kattowitz (Oberschlesien) und setzte dieses nach dem Physikum in Dresden fort. Seit 2002 ist er in Deutschland approbiert. Wie sein Chefarzt-Kollege war auch er 9 Jahre am Klinikum der Barmherzigen Brüder in Regensburg als Oberarzt tätig.

Beide Chefärzte verfügen über die volle Weiterbildungsbefugnis für Innere Medizin, Kardiologie und Innere Medizin-Kardiologie, sowie die Basisausbildung für den Allgemeinmediziner.

Und beide Fachärzte reizte die Herausforderung, hier im Landkreis Freyung-Grafenau eine Kardiologie neu zu etablieren. „Die initialen Vorbehalte in der Bevölkerung haben uns schon überrascht, aber gleichzeitig auch dahingehend motiviert, hier die möglichst beste Behandlung anzubieten und damit die Vorurteile abzubauen. Können wir doch seit nunmehr fast vier Jahren eine wohnortnahe, kardiologische und mit zwei Herzkathetermessplätzen auch medizintechnisch bestens ausgestattete Anlaufstelle im Landkreis anbieten, “ so Chefarzt Peter Bomba. Der sich im Übrigen sichtlich erfreut darüber zeigte, dass so viele am Sonntag zum Aktionstag ins Grafenauer Krankenhaus kamen.

Vorhofflimmern ist mittlerweile eine Volkskrankheit. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland und über 6 Millionen in Europa leider daran. Schätzungen zufolge kann in den nächsten 50 Jahren und mit zunehmendem Alter mit einer Verdoppelung der Betroffenen gerechnet werden. Gerade Personen über 65 Jahre und mit Bluthochdruck sind statistisch verstärkt davon betroffen. Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung. Ca. 15 Prozent aller Schlaganfälle werden dadurch ausgelöst – oft mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen.

Doch wie erkennt man Vorhofflimmern? Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist völlig außer Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten auftreten. Bei Symptomen wie Unruhe, Angst, einer Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann mit Hilfe von EKG, Langzeit-EKG oder Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist oder ob Vorhofflimmern vorliegt.

Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags können sich im Herzen in einer Ausbuchtung des Vorhofs Blutgerinnsel bilden. Werden diese ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, verstopfen sie ein Hirngefäß und lösen so einen Schlaganfall aus. Für diese Fälle steht mit der zertifizierten Stroke Unit eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit 24-h-Anbindung an einen Neurologen (in Kooperation mit TEMPIS) als heimatnahe Anlaufstation am Grafenauer Krankenhaus bereit.

Bei über der Hälfte aller Patienten tritt Vorhofflimmern ohne Symptome oder Beschwerden auf und bleibt dadurch lange Zeit unbemerkt. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, um unregelmäßigen Herzschlag festzustellen: wiederholt den eigenen Puls tasten und die Anzeige am Blutdruckmessgerät beachten. Bei Bluthochdruck sollte auch immer ein Arzt aufgesucht werden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder dem Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung nicht zögern und umgehend fachärztlich abklären lassen. Das Krankenhaus Grafenau verfügt über eine zertifizierte Chest Pain Unit bei unerklärtem Brustschmerz und eine Ambulanz als Anlaufstelle bei Herzproblemen.

Für das leibliche Wohl sorgte beim Aktionstag der Team-Küchenleiter Thorsten Graf, der jedem Gast als Alternative zu Sonntagsbraten und Weihnachtsschmaus auch einen gesunden Menüvorschlag mit nach Hause gab.

Ein ganz besonderer Dank gilt der Bäckerei Fenzl aus Neuschönau, welche extra für diesen Tag einen Kuchen in Herzform kreierte, der dank der Bäckerei und Thorsten Grafs Engagement den Kliniken keinen Cent kostete. Jeder Gast war herzlich eingeladen.  Spenden zugunsten des Fördervereins des Grafenauer Krankenhauses wurden gerne entgegengenommen.

Bild oben: Chefarzt Dr. Werner referiert am Aktionstag im Krankenhaus Grafenau über Vorhofflimmern und Koronare Herzkrankheit; Foto: Kliniken Am Goldenen Steig