Wenn der Moldaustausee zur schönsten Bühne des Winters wird
Es gibt diese Tage im Winter, an denen einfach alles stimmt. Der Himmel strahlt in einem tiefen, fast unwirklichen Blau, die Luft ist kristallklar und klirrend kalt, und unter den Füßen knirscht nicht der Asphalt, sondern das Eis. Wer in diesen Wochen den Weg in den südlichen Böhmerwald findet, erlebt ein Naturspektakel der besonderen Art: Der Moldaustausee (Lipno) hat sich in eine glitzernde weiße Wüste verwandelt.
Besonders der Abschnitt zwischen den charmanten Orten Frymburg und Lipno nad Vltavou wird dann zum Pilgerort für Sonnenanbeter, Sportler und Familien.
Die längste Eislaufbahn der Welt
Das Herzstück dieses Winterwunders ist die legendäre „Eis-Magistrale“. Sobald die Eisschicht dick genug ist, präparieren Räumfahrzeuge eine kilometerlange Bahn, die die beiden Uferorte miteinander verbindet. Es ist ein erhabenes Gefühl, dort Schlittschuh zu laufen, wo im Sommer die Segelboote kreuzen.
Die Bilder vor Ort zeigen die Vielfalt der Besucher: Ambitionierte Eisschnellläufer mit langen Kufen und Stöcken ziehen rhythmisch ihre Bahnen, während Familien gemütlich spazieren gehen. Hier ist Platz für jeden. Es ist diese Weite, die beeindruckt. Kein Gedränge wie in einer städtischen Eishalle, sondern freie Bahn und der Blick auf die bewaldeten Hügel des Böhmerwaldes am Horizont.
Buntes Treiben vor winterlicher Kulisse.
Am Ufer in Lipno bietet sich ein fast skandinavisches Bild. Die markanten, bunten Ferienhäuser mit ihren spitz zulaufenden Dächern leuchten in Gelb, Rot- und Blautönen gegen den weißen Schnee an. Sie wirken wie eine fröhliche Kulisse für das geschäftige Treiben auf dem Eis.
Auch die Architektur passt sich der Jahreszeit an: Moderne Pfahlbauten ragen aus dem gefrorenen See und bieten spektakuläre Ausblicke auf das „weiße Meer“. Wer hier einkehrt, sitzt quasi in der ersten Reihe.
Die schlafenden Schiffe
Doch der zugefrorene See hat auch eine ruhige, fast melancholische Seite. Abseits der geglätteten Bahnen liegen die Segelboote im Winterschlaf an Land. Unter schweren Planen und einer Haube aus Schnee warten sie aufgebockt auf den nächsten Frühling. Diese „schlafenden Schiffe“ bilden in der tiefstehenden Wintersonne wunderbare, grafische Silhouetten – stille Zeugen der Sommerfreuden, die nun Pause machen, um dem Eis den Vortritt zu lassen.

Ein Fest für alle Sinne
Ein Ausflug an den gefrorenen Lipno ist mehr als nur Sport. Es ist das Geräusch der Kufen auf dem Eis, das Lachen von Kindern, die im Tiefschnee am Ufer mit ihren Hunden toben, und das Gefühl der Wintersonne im Gesicht. Es ist ein Ort, an dem der Winter nicht grau und trüb ist, sondern hell, weit und voller Lebensfreude.
Wer die Möglichkeit hat, dieses „tschechische Wintermärchen“ zu besuchen, sollte die Schlittschuhe einpacken – oder einfach nur feste Winterschuhe – und sich hinaus auf das Eis wagen. Denn den See so zu erobern, ist ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.
Tipp für Besucher: Informieren Sie sich vor der Anreise unbedingt über die aktuelle Eisstärke und die offiziellen Freigaben. Die „Eis-Magistrale“ wird nur bei absolut sicheren Bedingungen offiziell eröffnet.
Bilder: MuW/Karl-Heinz Schoppa













