Positive Bilanz der 68. Europäischen Wochen Passau

Passau. Die Europäischen Wochen Passau ziehen eine positive Bilanz des Herbstfestivals, das von Mittwoch, 9. September bis Sonntag, 4. Oktober 2020 stattfand. Am Abschlusswochenende gaben sich noch einmal hochkarätige Künstler und Ensembles die Klinke in die Hand: Juliane Banse und das Tschechische Nonett, Midori Seiler und Andreas Staier, Corinna Harfouch und Hideyo Harada sowie die Akademie für Alte Musik Berlin beschlossen das vierte Festspielwochenende. Ursprünglich hätte das Festival im Juni und Juli stattfinden sollen. Es wurde wegen der Corona-Pandemie in den Herbst verschoben.

4400 Besucherinnen und Besucher

Insgesamt fanden im September und Oktober 40 Veranstaltungen in der Corona-Saison statt, davon 17 Doppelveranstaltungen und sechs Einzelveranstaltungen. Rund 3000 zahlende Gäste zählten die Europäischen Wochen in der aktuellen Saison. Weitere 1400 Personen besuchten Veranstaltungen und Angebote mit freiem Eintritt. Aus Hygieneschutzgründen waren zwischen allen Sitzplätzen 1,5 m Abstand gehalten (außer bei Personen desselben Hausstandes) und jede zweite Reihe blieb frei. Dank der Künstlerinnen und Künstler, die größtenteils doppelt auftraten, ohne zusätzliche Gage zu fordern, sowie wegen der Treue von Förderern und Sponsoren konnten die Festspiele auch unter diesen erschwerten Bedingungen solide finanziert werden.

Beethoven-Symphonien und europäische Brennpunkte

Hochkarätige Orchester, Ensembles und Solisten gastierten im Rahmen des Herbstfestivals im Festspielgebiet. Dazu zählten Auftritte der Bamberger Symphoniker, von Giora Feidman, Ulrich Tukur und anderen renommierten Künstlerinnen und Künstler. Im Beethoven-Jahr gelang es, trotz Corona-Abstandsregelungen zwei Beethoven-Symphonien aufzuführen. Der Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, Harald Strauss-Orlovsky, hob ein Doppelkonzert für Violine, Klavier und Orchester von Beethoven aus der Taufe, das er aus originalem Stimmenmaterial von Beethoven erstellt hatte.

Europäische „Brennpunkte“ befragte das Festival mit einem Polen-Schwerpunkt und Inhalten zum Thema Klimaschutz. Die Fotografin Barbara Dombrowski zeigte im öffentlichen Raum sowie in der Galerie „Kulturmodell“ ihre Arbeiten mit Urvölkern auf fünf Kontinenten, die vom Klimawandel betroffen sind. Der polnische Regisseur Przemyslaw Wojcieszek war eingeladen, das Theaterstück „Svetlana“ aufzuführen. Es beschreibt das Schicksal eines Künstlers in Berlin, der wegen der PiS-Regierung aus Warschau emigriert ist. Die ZEIT-Redakteurin Emilia Smechowski las aus ihrem Buch „Rückkehr nach Polen“. 

Das Corona-Fazit

Die Veranstalter des Festivals freuen sich, dass nach derzeitigem Kenntnisstand im Kontext des Festivals keine Ansteckungen mit Covid 19 erfolgten – obwohl im Verlaufe des Festivals die 35-Personen-Inzidenz in der Stadt zeitweise überschritten worden war. Das Festivalteam hatte umfangreiche Hygieneschutzmaßnahmen konzipiert, die vor, auf und hinter der Bühne umgesetzt wurden. Das Publikum trug die Maßnahmen diszipliniert und mit großem Verständnis mit. So hatten auch die Gäste der Europäischen Wochen maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Durchführung der Festspiele. Intendant Carsten Gerhard zieht als Fazit: „Auch unser Herbstfestival belegt, dass Kunst vor Publikum unter Corona-Bedingungen möglich und verantwortbar ist. Wir müssen nun schnell Möglichkeiten finden, auf Basis verlässlicher gesetzlicher Leitplanken die Zukunft planen und auch wieder mehr Publikum im Saal zulassen zu können. Mund- und Nasenschutz sowie Schnelltests können dabei wichtige Elemente sein.“ Im Namen des Festivals bedanken sich die Vorstandsvorsitzende des Vereins, Rosemarie Weber, und Carsten Gerhard ganz besonders bei den Mitwirkenden: „Ohne die Bereitschaft der Künstlerinnen und Künstler, alle Konzerte zweifach aufzuführen, hätten wir diese Festspiele unter Corona-Bedingungen nicht durchführen können. Das bedeutete für viele einen ungeheuren Kraftakt, für den wir allen Auftretenden ausgesprochen dankbar sind.“

Positives Medienecho

Das regionale und überregionale Medienecho war durchwegs positiv. Zum Auftaktkonzert der Bamberger Symphoniker schrieb der Feuilletonchef der PNP: „Die Europäischen Wochen leben auch 2020, und sie beginnen mit Jubel und Standing Ovations. Wenn das kein Lichtblick ist.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung besprach das Festivalprogramm in einem ausgesprochen positiven Tenor unter der Überschrift „Schöpfungsjubel mit Beethoven“. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Es ist erstaunlich, wie es auch in diesen schwierigen Zeiten gelungen ist, am ursprünglichen Konzept festzuhalten: den europäischen Gedanken zu vertiefen und erlebbar zu machen.“ Der Medienpartner Niederbayern TV zeichnete drei Konzerte auf, um auch diejenigen zu erreichen, die wegen der eingeschränkten Saalkapazitäten keine Karten mehr bekommen hatten oder in Corona-Zeiten den Besuch einer Veranstaltung vermeiden wollen. Das Abschlusskonzert mit der Akademie für Alte Musik wurde von BR Klassik aufgenommen. Die Ausstrahlung ist für Mittwoch, 23. Dezember, 20.05 Uhr, geplant.

×

(Anzeige)

×