Der älteste Nationalpark Deutschlands, der Nationalpark Bayerischer Wald, feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag. Seine Gründung 1970 nach dem Vorbild des Yellowstone Nationalparks in den USA war alles andere als unumstritten. Eine große Sonderausstellung zeichnet zum Jubiläum den Erfolgsweg nach

Grafenau (obx) – „Es wird ein Wald toter Bäume werden“, prophezeite noch 1966 der damalige bayerische Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer kurzsichtig. Es folgten Jahre der Auseinandersetzung über Sinn oder Unsinn des ältesten deutschen Naturreservats. Der Nationalpark Bayerischer Wald erhitzte auch die Gemüter der Anlieger bis hin zu Morddrohungen und spaltete die Bevölkerung am Grünen Dach Europas über viele Jahre in zwei Lager. Die wilden Zeiten sind vorbei. In diesem Jahr feiert der Nationalpark Bayerischer Wald seinen 50. Geburtstag und das Schutzgebiet hat sich zu einem Segen entwickelt: für die Bevölkerung, für die Region, für den Tourismus und nicht zuletzt für die Tier- und Pflanzenwelt.

Ursprünglich 13.000 Hektar groß, wurde er 1997 sogar nochmals um 11.000 Hektar erweitert. Und eine Vergrößerung um weitere 600 Hektar wird derzeit diskutiert. „Eine jahrelang währende Leidensgeschichte“, nannte der frühere Vorsitzende des Bund Naturschutz, Hubert Weinzierl, die Entstehung des Reservats. Doch die Entwicklung der Natur in dem heute 24.000 Hektar großen Schutzgebiet am Fuße von Rachel und Lusen sowie sein wirtschaftlicher Nutzen haben die jahrelangen Gegenargumente von Holzindustrie, Jägerschaft und einer mächtigen politischen Opposition mittlerweile ad absurdum geführt. 

Die Idee zur Schaffung eines ersten deutschen Nationalparks war bereits 1935 in Fachkreisen geboren worden. Auf Druck ostbayerischer Kommunalpolitiker und Naturschützer beschloss der Landtag am 11. Juni 1969 die Realisierung. Als Höhepunkt des Europäischen Naturschutzjahres wurde die Verwirklichung des Parks am 7. Oktober 1970 besiegelt. Jegliche Waldbewirtschaftung oder Jagd ist im 11.000 Hektar großen Kerngebiet des Parks untersagt und auch das Betreten der Urwälder abseits der 300 Kilometer angelegten Wanderwege ist verboten. Umso größer ist der Besucherandrang in einem zwei Quadratkilometer großen Tierfreigelände: Mehr als 400.000 Besucher drängeln sich pro Jahr durch diese begehbare Visitenkarte des Nationalparks, in dem man mit etwas Glück Luchs, Wölfe, Bären und Uhus zu Gesicht bekommt. 

Für die Region wurde der Nationalpark zum Wirtschaftsmotor. Die Übernachtungszahlen in den Gemeinden der Region nach Ausweitung des Parks stiegen schneller als erhofft und bescherten der oft als Armenhaus Deutschlands bezeichneten Region einen bescheidenen Wohlstand. Die Akzeptanz des Nationalparks in der Bevölkerung erreichte bald Traumwerte. Bereits vor Jahren wurde in einer Studie ermittelt, dass der Nationalpark in der industriearmen Region den sechs Nachbargemeinden mindestens 15 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen beschert.
„Natur Natur sein lassen“ lautet seit 50 Jahren die Philosophie, die den Park erfolgreich macht: Nirgendwo zwischen Atlantik und Ural dürfen sich die Wälder mit ihren Mooren, Bergbächen und Seen auf so großer Fläche nach ihren ureigenen Gesetzen zu einer einmaligen wilden Waldlandschaft, einer „grenzenlosen Waldwildnis“, entwickeln. Die Informationshäuser Haus zur Wildnis und Hans-Eisenmann-Haus bieten heute Naturerlebnis bei jedem Wetter. Sie vermitteln Erwachsenen und Kindern spielerisch und anschaulich die Wunder der Natur des Nationalparks Bayerischer Wald. Dazu gehören ein 3-D-Kino, Liegeblätter als Inseln zum Musikhören, Ausstellungen, viel Platz zum Spielen und spielerisch Lernen sowie ein Wurzelgang. 

Lisa Ornezeder, stellvertretende Leiterin des Hauses zur Wildnis (von links), Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl und Achim Klein, Leiter des Hauses zur Wildnis, eröffneten die Sonderausstellung zum Jubiläum. Foto: obx-news/Nationalpark Bayerischer Wald/Gregor Wolf

Das ursprüngliche geplante Geburtstagsprogramm fiel in den vergangenen Monaten weitgehend der Corona-Pandemie zum Opfer. Auf ein besonderes Highlight können sich Besucher jedoch freuen: Eine große Sonder-Ausstellung im Haus zur Wildnis zeichnet bis Anfang November den Weg der vergangenen fünf Jahrzehnte nach. Im Fokus stehen beeindruckende, großformatige Bilder der entstehenden Waldwildnis. „Die Aufnahmen geben imposante Einblicke in einen Wald, der in Deutschland seinesgleichen sucht“, sagte Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl zur Eröffnung. 

Neben den faszinierenden Naturaufnahmen finden Besucher in der Ausstellung auch noch eine Kurzeinführung in die Geschichte des ersten deutschen Nationalparks, eine Leseecke, eine Diashow mit den 50 besten Bildern des Fotowettbewerbs „Mein Nationalpark“ sowie ein großformatiges Gästebuch, auf dem Gäste ihr Feedback hinterlassen können. Komplettiert wird die Ausstellung von einer mannsgroßen Stele, auf denen interaktive Vorher-Nachher-Bildvergleiche aufgerufen werden können.

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