Hohe Wanderungsgewinne insbesondere zu Beginn der 1990er Jahre sowie um die Jahrtausendwende

Das Wanderungsgeschehen zwischen Bayern und den neuen Bundesländern hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten erheblich verändert: Während der Freistaat von 1990 bis 2013 gegenüber den neuen Bundesländern erhebliche Wanderungsgewinne erzielte, lag die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen in den letzten Jahren bei weniger als 1 000 Personen und ist seit dem Jahr 2016 sogar leicht negativ. Ursächlich für diese Entwicklung sind zum einen demographische Faktoren, zum anderen die Arbeitsmarktsituation in den neuen Bundesländern.

Seit 1990 sind knapp 917 000 Personen1 aus den neuen Bundesländern2 nach Bayern gezogen. Den stärksten Zuzug gab es in den Jahren des „Mauerfalls“ 1989 und der Wiedervereinigung 1990 (70 000 bzw. 85 000). Auch um die Jahrtausendwende zogen vergleichsweise viele Menschen aus den neuen Bundesländern nach Bayern. Seit dem Jahr 2014 lag die Zahl der Zuzüge jedoch bei unter 20 000 Personen pro Jahr. Der größte Teil der aus den ostdeutschen Bundesländern Zugezogenen stammt aus Sachsen (344 000), gefolgt von Thüringen (211 000), Sachsen-Anhalt (121 000), Brandenburg (109 000) und Mecklenburg-Vorpommern (47 000)3.
Seit der Wiedervereinigung sind allerdings auch rund 512 000 Menschen aus Bayern in die neuen Bundesländer (zurück-)gezogen4. Während die Zahl der Fortzüge Ende der 1990er Jahre bei lediglich rund 14 000 Personen pro Jahr lag, haben 2016 knapp 21 000 Personen und im vergangenen Jahr rund 19 000 Personen Bayern in Richtung der ostdeutschen Bundesländer verlassen.

Der Wanderungsgewinn Bayerns gegenüber den neuen Bundesländern – also die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen – lag im Zeitraum 1989 bis 2019 bei 405 000 Personen. Am höchsten war die Nettozuwanderung im Jahr der Wiedervereinigung (77 000 Personen), aber auch um die Jahrtausendwende erzielte Bayern gegenüber den neuen Bundesländern hohe positive Wanderungssalden (2000: 26 000, 2001: 33 000). Dies ist unter anderem auf die demographischen Strukturen in den ostdeutschen Bundesländern zurückzuführen. Umfangreiche staatliche Fördermaßnahmen hatten in der ehemaligen DDR vom Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre zu höheren Geburtenzahlen geführt.

Dementsprechend waren Anfang der 2000er Jahre vergleichsweise viele junge Menschen aus den neuen Bundesländern auf der Suche nach einem Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz. Gleichzeitig war jedoch die Arbeitsmarktsituation in diesem Zeitraum insbesondere in den neuen Bundesländern stark angespannt, wodurch eine Vielzahl an jungen Menschen in Richtung der alten Bundesländer abwanderte.

Bis zum Jahr 2006 lag die Nettozuwanderung aus den ostdeutschen Bundesländern nach Bayern im Durchschnitt bei knapp 24 000 Personen pro Jahr. Seitdem sind die Wanderungsgewinne kontinuierlich zurückgegangen und in den Jahren 2016 bis 2019 haben erstmalig seit der Maueröffnung mehr Menschen Bayern in Richtung der neuen Bundesländer verlassen als umgekehrt. Ursächlich hierfür ist, dass die Arbeitslosenquote auch in den neuen Bundesländern stark zurückgegangen ist und deshalb vermutlich weniger Menschen aus ökonomischen Gründen abwandern sowie gleichzeitig auch mehr Personen in die neuen Bundesländer (zurück-)gezogen sind.


1 Alle Werte sind auf 1 000 Personen gerundet.
2 Bei den Auswertungen wurde Berlin nicht zu den neuen Bundesländern gezählt, da keine Daten zu Wanderungsbewegungen getrennt für Berlin-Ost und Berlin-West vorliegen.
3 Die Ergebnisse zu den Herkunfts- und Zielbundesländern beziehen sich auf den Zeitraum 1991 bis 2019, da für die Jahre 1989 und 1990 keine nach Bundesländern differenzierten Werte verfügbar sind.
4 Mithilfe der amtlichen Wanderungsstatistik lassen sich keine „Wanderungsketten“ feststellen. Das bedeutet beispielsweise, dass bei einem Fortzug in die neuen Bundesländer nicht unterschieden werden kann, ob die Person zuvor aus den neuen Bundesländern zugezogen ist oder nicht.

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