“Ich lebte als Kind in Amerika und weiß daher ganz genau, wie es sich anfühlt, irgendwo fremd in eine Klasse zu kommen und nichts zu verstehen. Ich hätte gerne jemanden an meiner Seite gehabt, um schneller die neue Sprache zu lernen.“
Monika Milne ist eine von 25 neu ausgebildeten Sprachpaten des Vereins “Gemeinsam leben und lernen in Europa“ (GLL). Sie wird nun im neuen Schuljahr jede Woche ein Kind, das kaum oder kein Deutsch kann, im 1:1-Verhältnis helfen Deutsch zu lernen. Dabei ist kein stures Grammatiklernen vorgesehen, sondern die ehrenamtlichen Sprachpaten haben viel Spielraum wie sie den Kindern Deutsch vermitteln. Wichtig ist, dass es dem Kind auch Freude macht, auf sein Können und Interessen zugeschnitten ist. “Als Sprachpatin kann ich mich individuell auf das Kind einlassen. Es macht mir jede Woche auf’s Neue Freude. Sie werden merken, wie viel Sie von den Kindern zurückbekommen“, erzählte Monika Binder den angehenden Sprachpaten bei der Schulung in Passau. Sie ist eine der 271 Sprachpaten, die der gemeinnützige Verein GLL in den letzten 3,5 Jahren ausgebildet hat. Insgesamt wurden allein im letzten Schuljahr über 150 Kinder an 41 Schulen im ganzen Landkreis und der Stadt Passau durch 102 ehrenamtlichen Sprachpaten betreut.
“Unsere Sprachpaten leisten wirklich Unglaubliches. In diesem Schuljahr haben sie über 18.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet“, betont Perdita Wingerter, Geschäftsführerin des Vereins, die das Projekt initiiert hat und mit Unterstützung einer Bundesfreiwilligendienstlerin koordiniert. “Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten und Programmen, arbeiten unsere Sprachpaten rein ehrenamtlich und kommen selbst für ihre eigenen Unkosten auf. Und sie begleiten ihre Sprachkinder so lange, bis diese sie nicht mehr brauchen, weil sie selbst gut Deutsch sprechen und verstehen können.“

Und in diesem Schuljahr wurden von den Schulen 80 Kinder mehr gemeldet als letztes Jahr, d.h. der Verein versucht, 230 Kinder mit einem Sprachpaten zu matchen und hat deshalb zwei neue Ausbildungen in Pocking und Passau organisiert.

So viele Kinder, Sprachpaten und Schulen zu koordinieren und die Abläufe so reibungslos wie möglich zu organisieren, bedeutet einen enormen Aufwand. Allein in unserer Geschäftsstelle müssen im Monat zwischen 150 bis 200 Stunden aufgewendet werden, um ein Projekt dieser Größenordnung zu koordinieren. “Wir machen die ganze Verwaltungsarbeit mit den Schulen, sind für unsere Sprachpaten ständiger Ansprechpartner und stehen ihnen bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite“, erzählte der Bundesfreiwillige Luca Scholz, der für die Verwaltung zuständig ist. Außerdem stellt der Verein pro Schule eine Sprachpatenbox mit Lernmaterialien zur Verfügung und organisiert regelmäßige Austauschtreffen. “Die Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber dazu brauchen sie Unterstützung und jemanden im Hintergrund, der ihren Rücken stärkt und ihnen lästige Verwaltungsaufgaben abnimmt“, ist Perdita Wingerter überzeugt. “Aber wenn man sieht, wie wichtig die Sprachpaten für die Kinder sind und wie glücklich die Sprachpaten in ihrem Ehrenamt sind, dann motiviert uns das auch!“

(Titelbild: Die neu ausgebildeten ehrenamtlichen Sprachpaten aus Passau bzw. Pocking brennen auf ihren Einsatz – Fotos: GLL Verein)