Ein Blick in Gegenwart und Zukunft

Der offizielle Startschuss für den Nationalpark erfolgte am 7. Oktober 1970 durch den damaligen Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann. 2020 werden dann 50 Jahre vergangen sein. Angefangen vom ersten Nationalparkleiter Dr. Hans Bibelriether, dessen Aussage „Natur Natur sein lassen“ den Nationalpark prägte bis zum jetzigen Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl spannte sich ein weiter Bogen von Anforderungen und Problemstellungen, welche die jeweiligen Leiter zusammen mit ihren Mitarbeiter/-innen zu bewältigen hatten und haben.
Heute ist der Nationalpark Bayerischer Wald eine weltweit anerkannte Einrichtung, die auch große wirtschaftliche Bedeutung für die Region besitzt. Eine kleine Bestandsaufnahme sowie ein Ausblick in die Zukunft – ein guter Anlass für ein Gespräch mit dem derzeitigen Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl. Dabei müsse man „den Nationalpark gemeinsam mit dem tschechischen Nationalpark Šumava betrachten“, denn die Natur kennt keine Grenzen.

Die Zusammenarbeit mit seinem tschechischen Kollegen Pavel Hubeny bezeichnet Leibl als sehr gut. Das zeige sich zum Beispiel bei der Auerhuhnpopulation, die sich auf 600 Tiere stabilisiert hat. Auch zum Thema Luchs konnte der Nationalparkleiter vermelden, dass man durch gemeinsames Luchsmonitoring (durch Fotofallen) bis zu 29 Tiere in beiden Parks nachweisen konnte. Kürzlich besuchten Gäste aus der Mongolei den Nationalpark Bayerischer Wald. Unter ihnen befand sich auch der Leiter des dortigen Nationalparks. Die Gruppe hatte das Glück, beim Überqueren der Straße eine Luchsin mit ihren drei Jungen zu sehen und sogar filmen zu können. Dieses einmalige Erlebnis wird dem mongolischen Nationalparkleiter wohl immer im Gedächtnis bleiben. Zwar gibt es in seiner Heimat auch Luchse, diese habe er aber noch nie gesehen. Hinsichtlich der Tiere im Park durfte natürlich die Frage nach den zwei restlichen Wölfen aus der Gruppe der ausgebrochenen Tiere nicht fehlen. Hier bestätigte Dr. Leibl, dass die Sichtungen vor einem Jahr abrupt abgebrochen seien. Seit diesem Zeitpunkt fehlt von den Tieren jede Spur. Bis heute konnte nicht geklärt werden, wie es zu dem offenen Gatter im Wolfgehege kommen konnte.

Von wirtschaftlichem Belang
„Die Funktion des Parks ist vielfältig. Mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 1,3 Millionen jährlich ist der wirtschaftliche Aspekt für die Region bedeutsam. Als Naturlernort für die Forstwirtschaft hat er weltweite Geltung“, berichtet Dr. Leibl. „Bestimmte Mengen von Tot-
holz in gesunden Wäldern erhöht nachweislich die Artenvielfalt. Vom Sämling bis zu hohen Bäumen ist alles vorhanden – 17 Doktoranden forschen bei uns. Das Thema Klimawandel spielt bei den Forschungsarbeiten eine nicht unerhebliche Rolle. Wir können vor Ort sehen, wie sich der Klimawandel auf den Naturwald auswirkt.“ Derzeit sind es 68% der Parkfläche, in der die Natur „regiert“. Bis 2027 wird der Anteil bei 75% liegen.

Für das Jahr 2020 sind ja von der Bayerischen Staatsregierung 30 Millionen Euro als „Nationalparkpackerl“ zugesagt wurden. „Davon fließt erstmal ein erheblicher Teil in die Instandsetzung der Nationalparkstraße, in die Erneuerung der Ausstellung im Haus zur Wildnis und in die Sanierung des Waldschmidhauses, das seit heuer zum Nationalpark gehört“, verrät Dr. Leibl.

Jubiläumsplanung
Das Jubiläum „50 Jahre Nationalpark“ bedeutet auch, dass die Einrichtungen in die Jahre gekommen sind. Die Besuchereinrichtungen benötigen ein Update. Unser Wegenetz von über 500 km zu erhalten und die energetische Sanierung von Gebäuden sowie der weitere Ausbau der Barrierefreiheit – all dies kostet einfach Geld“, meint Dr. Leibl.

Was ist für das Jubiläumsjahr alles geplant? „Der Grundgedanke ist zu zeigen, wie der Park da steht und für was er steht. Natürlich geht es auch darum, wie wir die Zukunft des Parks sehen“, erklärt der Nationalparkleiter. „Unsere Planung für 2020 befindet sich in der Abstimmungsphase. Das Führungsprogramm wird unter dem Thema „50 Jahre Nationalpark“ stehen, ein Jubiläumsfilm wird gedreht und es wird eine Ausstellung zum Thema geben. Auf dieses Jubiläumsprogramm darf man gespannt sein! rd

Bild oben: Neuer Wald entsteht am Lusen. Foto: Demont