Zahlreiche Tanzfreudige um 6 Uhr morgens

Passau. Bange Blicke gen Himmel in der vergangenen Woche auf die sich teils stündlich ändernden Wetterverhältnisse. Ob das etwas wird mit dem 1. Passauer Kocherlball am Sonntagmorgen? Kathrin Gruber, Volksmusikpflegerin der Stadt Passau, schreckte das nicht. Gut gelaunt und zuversichtlich trafen wir die Initiatorin der Veranstaltung noch am Freitag am Passauer Rathausplatz dem Ort des Geschehens. Sie sollte Recht behalten. Kühl war‘s, aber das schreckte rund 200 Volkstanzbegeisterte nicht, die dieser Premierenveranstaltung zu ansehnlicher Größe verhalfen. Wie beim Münchner Vorbild begann der Ball am Sonntag um 6 Uhr morgens. Die Trachtenkapelle der Halser Musikanten und die Niederalteicher Klarinettenmusi spielten die Ballgäste durch ein Programm mit Zwiefachen, Dreier, Landlern und mehr. Dank der Ansagen von Werner Schabus, Vortänzer beim Passauer Volkstanzkreis, konnten sich auch weniger routinierte Tänzer schnell einreihen. Natürlich prägte Tracht das Bild, doch nahmen einige Ballbesucher auch mit Küchenkleidung Bezug auf die Ursprünge des Münchner Kocherlballs. Wie von MEIN PASSAU im letzten Heft ausführlich erläutert, entstand dieser in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts am Chinesischen Turm im Englischen Garten, und bot seinerzeit Hausangestellten – die nur frühmorgens Zeit hatten – Gelegenheit, einander kennen zu lernen. 1904 verboten, belebte der Kulturmanager und Kunsthistoriker Pankraz Freiherr von Freyberg den Ball 1989 zum 200. Jahrestag des Bestehens des Englischen Gartens als Volkspark wieder. Es versteht sich von selbst, dass von Freyberg, späterer Intendant der Festspiele Europäische Wochen Passau, den 1. Passauer Kocherlball am Sonntag auch selbst testete.

Foto oben: hier war der Andrang groß beim 1. Passauer Kocherlball.

Foto darunter: Initiatorin Kathi Gruber freute sich, dass so viele um 6 Uhr morgens den Weg zum Rathausplatz gefunden hatten. Fotos: Eckelt